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Erfahrungsbericht SWISS Selektion komplett Stufe 1- 6

 
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pyrat
Captain
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Anmeldungsdatum: 28.01.2019
Beiträge: 79
Wohnort: Schweiz

BeitragVerfasst am: Di Okt 01, 2019 9:14 am    Titel: Erfahrungsbericht SWISS Selektion komplett Stufe 1- 6 Antworten mit Zitat

Hallo zusammen

Nachdem ich in diesem Forum extrem viele Tipps über das SWISS Assessment aufsaugen konnte, möchte ich an dieser Stelle dem gerne einen Teil zurückgeben. Da ich natürlich nicht gegen die Vertraulichkeitserklärung verstossen möchte, halte ich mich mit spezifischen Infos über Testinhalte zurück. Ich möchte Euch viel mehr über meine Vorbereitung und die Zeit während des Assessments berichten, und Euch natürlich meine persönlichen Tipps mit auf den Weg geben.

Ausgangslage
Ich bin Schweizer, Mitte 20, war schon immer von der Fliegerei fasziniert und wie wohl die Meisten hier war bzw. ist Pilot der absolute Traumberuf für mich. Nachdem dem ich den Infoabend in Kloten besucht habe (sehr zu empfehlen!) habe ich mich an die Vorbereitung für die erste Stufe gemacht.

Stufe 1 (Reihenfolge analog Traingsprotokoll)


Mathe (RAG und KRN):
Ich war nie ein Mathegenie und werde dies wohl auch nie sein. Schulnoten waren eher im unteren Mittelfeld angesiedelt. Niemals hätte ich daher einmal geglaubt, freiwillig ein Mathebuch zu kaufen, was ich aber tat – sogar zwei. Soviel vorab: es hat mit der Zeit sogar Spass gemacht, sich mit Mathe zu befassen! Ich empfehle Euch:

- MatheMagie von Arthur Benjamin
- Hesse/Schrader: EXAKT - Testtraining Textaufgaben
- Mathemakustik (Ich habe damals vor allem auf Level Silber trainiert)
- Skytest
- BU Ordner (Suchfunktion benutzen)

Ich persönlich fand mich mit diesen Unterlagen als «gut» vorbereitet.

OWT
Üben üben üben… Thema Gegenübermethode: Es ist sicherlich gut zu wissen, welche Zahl gegenübersteht – aber NUR diese Methode anzuwenden halte ich persönlich für fahrlässig, da man meiner Ansicht nach in dieser kurzen Zeit während dem Ablesen instinktiv eine Uhr so abliest, wie der Zeiger steht. Ich habe die Uhren einfach versucht so schnell wie möglich abzulesen, und die Gegenübermethode einzeln angewendet, wenn’s grad gepasst hat.

ROT
Auch hier bringt ein intensives üben weiter, ich habe weder eine 2D Methode angewendet noch mir einen Stift vorgestellt ö.a.. Ich hatte immer die Augen zu, habe mir den Würfel gedanklich vorgestellt und ihn innerlich den Ansagen entsprechend rotiert. Manchmal habe ich mir gedanklich sogar einen Finger vorgestellt, der den Würfel je nach Kommando «umkippte». Um die Regeln zu verinnerlichen und um bei den schnellen Ansagen nicht «rauszukommen», kann ich folgendes Video und die darin enthaltenen Regeln empfehlen: https://youtu.be/BGykqty0n6k

SKT
Hier war ich in der Vorbereitung ziemlich stark, umso mehr ärgerte ich mich, als am Testtag der Typ neben mir wie ein Depp mit seinem Zeigefinger auf dem Touchscreen rumgedrückt hat, sodass mich der daraus entstehende Ton extrem ablenkte. Ich versuchte dies so gut es ging zu verdrängen, klappte auch schlussendlich ziemlich gut, verärgert war ich trotzdem. Während dem Test bzw. in einer Pause vor dem nächsten Durchgang setzte ich dann den Kopfhörer auf, was die richtige Entscheidung sein sollte – empfehle ich übrigens für den ganzen Testtag – aber das soll jeder für sich selbst ausprobieren. Ich habe jeweils die obere Instruktion innerlich mit hoher Stimme ausgesprochen und eingeprägt, die untere Instruktion mit tiefer Stimme, und im Test jeweils innerlich mit hoher bzw. tiefer Stimme kommentiert, wenn eine Regel zutraf. Bisschen schwierig zu erklären – hoffe es ist rübergekommen^^

VFF
Hier habe ich nebst dem SWISS CBT viel mit Skytest geübt, da dort immer wieder andere Formen vorkamen. Schwierigkeit hierbei finde ich ist das Zeitmanagement, da die nächste Aufgabe ja wie im CBT ohne Vorwarnung kommt. Ich persönlich habe bei der ersten Aufgabe einfach innerlich die Sekunden mitgezählt, habe die Figur dann aber nach einer gewissen Zeit nicht gefunden und daher wusste ich, wie viel Zeit pro Aufgabe zur Verfügung stand. Wenn ich kurz vor Ablauf war und die Form nicht gefunden habe, habe ich einfach geraten bzw. die wahrscheinlichste Lösung genommen. Hätte mich sehr geärgert, wenn ich mir Zeit lasse, eine Antwort wähle und genau in diesem Moment vor dem Einloggen die Aufgabe wechselt, sodass man gleich 2 Fehler hat. Ist mir durch meine Technik zum Glück nicht passiert. Tipps fürs finden der Figur sind hier mager – am besten einfach nach typischen Merkmalen (parallele Linien, Spitzen etc.) suchen.

PPT
Mein schlechtester Test! Beim Prüfungstag brauchte ich einfach zu lange pro Würfel, sodass ich noch Einige offen hatte vor Ablauf der Zeit – ärgerlich! Hatte in der Vorbereitung am Anfang auch Mühe. Hier empfehle ich, auf Skytest zu verzichten. Ich habe mir die möglichen Würfelkombinationen ausgedruckt und ausgeschnitten, sodass ich beim Üben, wenn ich Schwierigkeiten hatte, immer den Würfel entsprechend zusammenbasteln konnte, was dann doch für das ein oder andere «Aha» sorgte. Excel Vorlage gibt’s im BU-Ordner.

VMC
Sicherlich mein Hasstest, wie wohl bei den Meisten. Bei 2- und 3- back habe ich mir die Formen (durch Fantasienamen wie z.B. blaues kleines Zahnrad, rotes komisches Zahnrad etc.) & Farben einfach immer laut im Kopf aufgesagt, und so die Abfolge weitergeklickt. Also z.B. bei 3 back 3x im Kopf aufgesagt, dann innerlich im Kopf bei den nächsten 3 das vorher Eingeprägte nachgesagt, mit dem aktuellen Bild verglichen, und dann die nächsten 3 gemerkt mit Aufsagen. Die 3 Bilder zum Einprägen verglich ich nebenbei so gut es ging mit den letzten beiden. Ich habe den Fokus also immer auf jedes zweite 3-er Paar gelegt. (Hoffe das war verständlich, sonst nachfragen). Bei 4 back habe ich mir in erster Linie versucht die Farben zu merken und so gut es ging noch die Formen. Bei 5 back praktisch nur noch auf die Farben gegangen und spontan nach Gefühl auf die Formen geachtet. Hatte durch diese Variante vernünftige Ergebnisse im CBT.

DRT
Dieser Test lief richtig gut – hier geht es einfach um pure Konzentration, Tipps gibt’s hier keine, ausser dass ich mir eine Eselsbrücke bei den Farben braun und blau machte – braun (Erde, unten = horizontal) und blau (Himmel, also oben = Vertikal). Habe dies auch schon beim üben mit CBT so gemacht. Macht es euch bequem vor dem Bildschirm, ich habe den Screen ein bisschen nach unten gekippt und habe die Hände links und recht abgestützt. Auch hier war ich durch die Kopfhörer nicht von Nebengeräuschen gestört, sodass ich mich voll und ganz auf die Aufgabe konzentrieren konnte. Versucht, hier immer bei der Sache zu sein und nicht gedanklich irgendwo anders (kann durchaus passieren bei so einer monotonen Arbeit).

MIC
Viele sagen hier, man muss nicht üben, man hat genug Zeit. Steht ja auch so in der Instruktion, die man von SWISS bekommt. Das stimmt, man hat genug Zeit, da die Aufgaben sehr genau erklärt werden, und man immer kurz üben kann. Um aber ein Gefühl für das Ganze zu bekommen empfehle ich hier das Üben mit Skytest. Somit war ich mit der Aufgabenstellung gut vertraut und ich konnte mich an die Empfindlichkeit gewöhnen. Kommt vielleicht auch noch darauf an, ob man nebenbei Flight Simulator mit Joystick spielt, und so ein wenig Gefühl zu haben. Ich habe mir auf jeden Fall den Joystick zugelegt und habe es nicht bereut (sollte mir in Stufe 3 und 4 auch noch helfen). Kann mich nur noch an den Spruch eines Mitstreiters der hinter mir sass erinnern (der wohl vor mir fertig war): «Boah bei dir war der Zeiger ja immer beim grünen Punkt». Fazit: Skytest kein Muss, aber ich empfehle es. Mir hat der MIC Spass gemacht!

Dann war der Tag auch schon vorbei. Ich hatte eigentlich ein gutes Gefühl, etwas besser wie erwartet. PPT hat mich am Meisten geärgert.

Allgemeines:
Zwischendurch kamen noch die Psycho-Fragen. Hier unbedingt einfach ehrlich sein, alles andere kommt in Stufe 2 oder spätestens in Stufe 6 auf Euch zurück.

Bezüglich Verpflegung: Ich habe mir in einem Reformhaus ein paar «Superfood» Müsliriegel besorgt, Guarana Shots (um wach zu bleiben) sowie Bananen und genügend Wasser. Ich habe während den kurzen Pausen einfach ein paar Bissen der Riegel genommen. In der Mittagspause habe ich nichts Schweres gegessen, sondern Bananen und eben von den Riegeln. Hatte anschliessend auch keine Probleme mit der Müdigkeit (was sonst im Arbeitsalltag durchaus vorkommt nach dem Mittagessen). Reinhauen könnt ihr immer noch nach dem Testtag Wink Trinkt genug am Testtag!

Am nächsten Morgen kam dann auch schon das E-Mail mit der erfreulichen Nachricht, dass ich die erste Stufe bestanden habe. Das war ein wirklich tolles Gefühl – zu wissen, dass sich die Wochen der Vorbereitung gelohnt haben! Viel Zeit zum sich freuen blieb aber nicht, denn schon bald gings weiter:


Stufe 2

Viel gibt’s hier nicht zu sagen. Ich empfehle, rechtzeitig im Wartezimmer zu sein (halbe Stunde vorher), damit man sich mit den Mitstreitern unterhalten kann. Im Vorfeld hatte ich durch das Forum bereits Kontakt mit einem der Mitstreiter – kann ich empfehlen. Lasst Euch überraschen, mir hats Spass gemacht, miteinander die Lösung zu finden, obwohl wir am Schluss nicht alles gelöst hatten. Viel wichtiger sei bei dieser Stufe ja das Zusammenarbeiten - macht ja auch Sinn, denn das wird hier ja getestet.

Generelle Tipps:

- Merkt euch die Vornahmen der Mitstreiter, spricht diese mit Namen an.
- Zeigt Präsenz, sitzt aufrecht da und spricht klar und in einer angemessenen Lautstärke.
- Lasst einander ausreden (und sonst: «Sorry für die Unterbrechung»), betont und lobt auch mal gute Inputs der Anderen
- Arbeitet zusammen, bleibt immer freundlich – alle sitzen im selben Boot! Es können alle 4 weiterkommen, es muss niemand rausgeboxt werden.
- Ergreift auch mal die Initiative und schreibt was an die Tafel
- Behaltet die Zeit im Auge und macht regelmässig die anderen auf die noch verbleibende Zeit aufmerksam

Als die Übung vorbei war durften wir im Warteraum fast 30 Minuten lang dem hoffentlich erlösenden SMS herbeisehnen. 3 haben’s gepackt, einer leider nicht. Meiner Ansicht nach war diese Person zu ruhig und zurückhaltend, unsichere Stimme. Schade!

Nur 15 Minuten später wurde ich abgeholt für den Aparatetest.


Stufe 3

Der Ablauf ist bekannt, auch hier kann ich Skytest nur empfehlen, damit man sich am Testtag vor allem dem eingewöhnen der neuen Steuerung widmen kann. Ich persönlich fand den ersten Teil schwieriger, als den Zweiten.

Generelle Tipps:
- Lasst euch bei einem schlechten Durchgang nicht verunsichern, vor allem am Anfang. Ich habe einmal sogar die Richtung rechts/links verwechselt, habe mich dann zu Tode geärgert und dachte, das wars. Habe dann aber alles gegeben und das Ding rumgerissen! Ich glaube es ist wichtig, dass man eine Lernkurve zeigt.
- Da man aufgrund des parallelen Bedienens des Throttle meistens nur eine Hand am Steuer hat, ging die Übung mit der Zeit recht in die Unterarme. Klingt vielleicht doof, aber die Wochen davor ein Bisschen die Unterarme an eine Belastung zu gewöhnen bzw. leicht zu trainieren halte ich nicht für Verkehrt.
- Fusstrick zum Merken der nächsten Aufgabe: ein Bein für die Richtung (Fuss nach links oder rechts drehen) und das andere für die Höhe (Fuss auf die Fersen oder Zehen stellen).

Die 10 Minuten Wartezeit bis zur Verkündigung des Ergebnisses waren eine Höllenqual! Ich war so extrem erleichtert wie schon lange nicht mehr, als ich den positiven Bescheid bekam.


Stufe 4

Das Skript zum PIT habe ich mir natürlich sehr oft (ab und zu auch laut) durchgelesen. Wie dort erwähnt ist essenziell, die vorgegebenen Procedures einzuhalten. Hier wird aber wirklich alles sehr gut und genau von den äusserst freundlichen Herren erklärt. Ganz wichtig sind natürlich die Himmelsrichtungen. Auch hier punktet Skytest mit dem Headingtrainer (gibt’s auch als App – sehr empfehlenswert). Wie im Skript schon erwähnt müssen Gegenkurse sitzen sowie auch das Rechnen mit Gradzahlen. Ein paarmal habe ich mit dem Flight Simulator X geübt, in dem ich ne Cessna 172 nahm und mir nur die Instrumente anzeigen liess. Dann habe ich mir davor ein paar Aufgaben aufgezeichnet und bin das Ganze dann so abgeflogen. Die Werte stimmen +/- mit den Sollwerten überein, viel wichtiger sind aber die Procedures (z.B. beim Steigen erst Gas, dann ziehen etc.). Es ist nicht unbedingt nötig mit dem FS üben, ich fands aber noch cool, auch als Abwechslung.

Generelle Tipps (das Meiste wird Euch sowieso genau so gesagt):

- Nehmt Euch die Rückmeldungen und Verbesserungs-Anregungen der Instruktionen sehr zu Herzen. Versucht, beim nächsten Durchgang darauf zu achten!
- Haltet das Steuerhorn pro Seite nur mit zwei bis drei Fingern (Daumen, Zeige- und Mittelfinger), so verkrampft ihr euch nicht und Korrekturen sind nicht so ruckartig.
- (Mir half es:) Kommentiert alles, was ihr macht. «Oh ich bin etwas zu hoch, zu weit links etc.» Wenn Euch Aufgaben gestellt werden, die ihr dann wiederholen müsst, dann hört zuerst zu (bevor ihr rechnet und euch fragt, was das nun bedeutet), wiederholt es und fangt erst dann an zu rechnen und studieren. Sonst kann es leicht passieren, dass ihr nicht alles mitbekommt und ihr Sachen vergisst.

Der PIT war für mich sehr fordernd, weil hier wirklich viel von einem Abverlangt wird, vor allem Multitasking. Versucht, Euch nicht zu verkrampfen – bleibt geschmeidig!

Übung 4/4 war für mich am schwierigsten, beim Debriefing waren es doch ziemlich viele Fehler, was meine Hoffnung auf ein Weiterkommen stark reduzierte. Da aber Teil 1-3 eine solide Lernkurve zeigte und ich das «bemängelte» gut Umsetzte, hat es gereicht und ich durfte die Terminplanung für Stufe 5 und 6 in Angriff nehmen! Erneut eine riesige Erleichterung denn somit stand fest, dass ich fix vor’s Board kommen werde!

Englisch / AKAD
Da ich wohl ein BEC Vantage (B2) Abschluss habe, aber kein FIRST Certificate, musste ich zum Englischtest bei der AKAD in Zürich antraben. Die folgenden Informationen bekommt man auf Nachfrage aus erster Hand, sprich, von der AKAD selber, sodass ich diese hier preisgeben darf: Der Test bestand aus einem mündlichen und schriftlichen (Laptop) Teil. Eine freundliche Dame begleitete mich in den Prüfungsraum und schon gings los. Zuerst wird etwas Smalltalk geführt und man stellt sich vor, dann fragte sie mich ein paar Fragen zu einem aktuellen Thema und zum Schluss musste ich 2 Minuten lang frei über ein Thema erzählen, wobei man sich eine Minute darauf vorbereiten kann. Dann kam der schriftliche Teil am Computer – es waren klassische Multiple-Choice Aufgaben (ich empfehle Euch auf der SPHAIR Seite den Englischteil durchzuklicken). Darunter waren auch ein paar Listening-Aufgaben. Als der Test fertig war, kam die Expertin in den Raum und teilte mir mit, dass ich Level B2 bestanden habe.

Bezüglich Vorbereitung habe ich mir grob im Internet die wichtigsten Regeln zu den Zeitformen angeschaut sowie Synonyme angeschaut. Wichtig ist aber sicherlich auch, dass man etwas Flair für die Englische Sprache hat. Wer viel englischsprachige Serien oder Youtube Videos schaut, wird hier klar einen Vorteil haben.

Augenarzt
Der Untersuch beim Augenarzt war schon recht ausführlich. Viel zu sagen gibt’s nicht, lasst die Tests über euch ergehen. Gegen den Schluss der Untersuchung wird das Auge mittels Tropfen betäubt, was ein Wenig brennt. Dass die Augen danach extrem auf Helligkeit empfindlich seien (las ich hier im Forum) kann ich so nicht bestätigen, jedenfalls nicht so stark, dass ich eine Sonnenbrille gebraucht hätte. Es verging ja auch noch eine kleine Weile, bis ich wieder draussen war. Auch dieser Test lief erfolgreich.


Stufe 5

Mein erstes Medical – was mich wohl erwarten wird? Naja, einfach gesagt wird man komplett durchgecheckt. Es begann am Morgen mit dem Ausfüllen von Fragen am Computer, anschliessend wird man im Labor gewogen & gemessen, dann wird Blut und Urin genommen, es wird das Lungenvolumen getestet sowie das Gehör. Ein Ruhe-EKG fand auch noch statt. Der Termin bei der Vertrauensärztin war bei mir am Nachmittag, hier findet vor dem Untersuch ein Gespräch über einen persönlich statt. Anschliessend folgt der klassische Untersuch – freimachen bis auf die Unterhose und den Angaben der Ärztin folgen. Ich hatte beim Untersuch einen etwas erhöhten Blutdruck (vermutlich Nervosität), was in meinem Fall eine 24 Stunden Blutdruckmessung, durchgeführt durch meinen Hausarzt, mit sich zog. Das war für mich ein kleiner Dämpfer. Habe dann aber mitbekommen, dass das doch noch ab und zu vorkommt, da die Messung beim Untersuch halt nur eine Momentaufnahme ist. Eine Woche später hatte ich die 24h Messung hinter mir (war in Ordnung) und mir wurde mein erstes Medical Class 1 ausgestellt.


Stufe 6


Die letzte Stufe stand bei mir nach dem Laboruntersuch an. Ich wartete rechtzeitig im Warteraum und tauschte mich mit den restlichen «Mitstreitern» aus. Die meisten waren noch bei Stufe 1, war mir mal wieder bewusst machte, wie weit ich schon gekommen bin – unglaublich! Ich war extrem motiviert und schon wurde ich zum Gespräch abgeholt von einer Psychologin sowie dem Auswahlkapitän. Beide waren sehr angenehme Persönlichkeiten und mir wurde gleich angeboten, mein Sakko auszuziehen. Die Atmosphäre war nicht so steif wie in einem üblichen Bewerbungsgespräch. Man sollte es sich deswegen meines Erachtens nach aber nicht zu sehr gemütlich machen, denn es geht hier immer noch um sehr viel und man sollte sich von seiner besten Seite zeigen. Zu den Fragen oder den Inhalten des Interviews werde ich mich nicht äussern. Seid euch bewusst, dass es eigentlich ein normales Vorstellungsgespräch ist. SWISS hat nun ganz viele Prüfungsergebnisse von Euch und möchte Euch nun noch persönlich kennenlernen. Für das Interview erschien ich in Hemd und Krawatte mit Chinos & Sakko, was ich für angemessen empfand. Lockerer wäre auch gegangen, aber das war «mein letzter Auftritt» im LAT Gebäude vor dem Boardentscheid, und so wollte mich nochmals von der besten Seite zeigen. Zudem trage ich beruflich täglich einen Anzug – mein Kopf hätte es mir daher eh nicht zugelassen, zu einem so wichtigen Termin mich nicht auch in Schale zu werfen Wink

Und dann war es vorüber – die letzte Stufe hinter mir! Abgesehen von der erwähnten 24h Messung hiess es jetzt: warten.


Boardentscheid
Die paar Tage bis zum entscheidenden Tag X vergingen schnell, und schon war es Dienstag – heute wird ein mir unbekanntes Auswahlgremium wohl über den restlichen Verlauf meines Lebens bestimmen – blöd ausgedrückt Very Happy Eine kleine Anspannung war da, wurde aber durch die Tatsache, dass ich absolut nichts mehr ändern kann, relativiert. Vor dem schlafen machte man sich natürlich noch ein paar Gedanken, doch die Nacht verlief ruhig. Am Morgen gings bis 15 Minuten vor 8 Uhr, also bevor man anrufen kann, langsam aber sicher bei mir los. Ich war sehr nervös. Ich richtete mich ganz normal wie jeden Morgen für die Arbeit; an diesem Tag wurde anlassbezogen natürlich eine rote Krawatte auf weissem Hemd getragen, und um 08.05 Uhr wähle ich die Nummer vom Assessment Center – jetzt geht’s um alles oder nix! Eine mir bekannte Stimme meldete sich und ich teilte neben meinem Namen mit, dass ich mich nach dem Boardentscheid erkundigen wollte. Ich musste noch mein Geburtsdatum angeben und nach einer kurzen Wartepause wurde die unglaubliche Anspannung aufgelöst durch die Worte bzw. Wortfetzen, an die ich mich noch erinnern kann: «ich darf Ihnen gratulieren (…) positiv (…) vorfinanziert (…) Unterlagen folgen per Post. Ich war baff, brachte kaum mehr wie ein «Wow» raus und bedankte mich herzlich für alles und schon war das rund einminütige Telefonat vorbei – ich konnte es kaum glauben, aber ich habe es tatsächlich geschafft! Der ganze Zeitaufwand, der Stress, die Mühe, die Kosten – alles hat sich ausbezahlt! Ich kann mich nicht erinnern, wann ich jemals so erfreut und gleichzeitig erleichtert war in meinem Leben. Der Tag konnte mir durch nichts und niemanden mehr verdorben werden Very Happy


Schlussworte
Das Assessment hat mich nicht nur «fachlich», sondern auch persönlich weitergebracht. Ich habe mich selber neu kennengelernt und habe erfahren dürfen, dass Fleiss und Engagement, gepaart mit absolutem Wille einen seinem Ziel näher bringen kann. Jedes Bestehen einer Stufe war jedes Mal eine unendliche Freude, bringt aber immer einen neuen Termin mit sich – heisst also: weiter geht’s, nicht auf dem Erfolg ausruhen!

Ob ihr Euch Skytest zulegen wollt, müsst ihr selber entscheiden. Es geht auch ohne. Ich kann es aber absolut empfehlen.

Übernachtet habe ich bis auf einmal (aus organisatorischen Gründen) in der WG von Moritz, bestehend aus lauter LAT Schülern: http://www.pilotenboard.de/viewtopic.php?t=38601
Kann ich sehr empfehlen, die Jungs sind total nett und nehmen einem auch noch etwas die Nervosität. Die Lage der Wohnung könnte besser nicht sein und die vielen Eindrücke und Geschichten der Ausbildung, welche man durch die WG Bewohner erhält, motivieren noch mal enorm! Preis/Leistung 10/10!

Und zu guter Letzt: Das Video der SWISS, welches auch beim Infoabend gezeigt wurde, habe ich während des ganzen Assessments und der Vorbereitung unzählige Male geschaut. Wirklich. Es hat mir jedes Mal wieder aufgezeigt, wieso ich den ganzen Aufwand betreibe und z.B. an dem sonnigen Samstagnachmittag drinnen vor dem PC sitze und allen Freunden abgesagt habe. Finde das Video, die Musik und alles zusammen einfach der Hammer und unglaublich gut gemacht: https://youtu.be/kfPT92e86wE

Ich hoffe, dieser Bericht, der zugegebenermassen doch sehr ausführlich und lang ausfiel, wird zukünftigen Bewerbern weiterhelfen. Bei Fragen stehe ich, sofern es mir die Verschwiegenheitspflicht nicht verbietet, gerne hier oder per PN zu Eurer Verfügung.

Alles Gute!
pyrat
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Tobias K
Senior First Officer
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Anmeldungsdatum: 02.12.2018
Beiträge: 48
Wohnort: EDDT

BeitragVerfasst am: Di Okt 01, 2019 9:58 am    Titel: Antworten mit Zitat

Herzlichen Glückwunsch zu diesem Erfolg!

An deinem Bericht merkt man mal wieder, was das Auswahlverfahren bei der Swiss für einen langen Weg mit sich bringt - aber natürlich umso schöner wenn es sich am Ende alles auszahlt.


Darf ich fragen wie lange der PIT an den beiden Tagen immer jeweils ging? Und kann man bereits nach dem ersten Tag ausscheiden?
_________________
Swiss Stufe I 09.08.2019 [✔]
Swiss Stufe II 30.09.2019 [✔]
Swiss Stufe III 30.09.2019 [✔]
Swiss Stufe IV 23.10/24.10 [✔]
Swiss Stufe V/VI tbd
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SineD
Captain
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Anmeldungsdatum: 21.02.2010
Beiträge: 88
Wohnort: BRN / LSZB / LSMB

BeitragVerfasst am: Di Okt 01, 2019 12:11 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Herzlichen Glückwunsch zum Bestandenen Assessment Very Happy

Darf ich fragen wann du das Interview hattest? Smile
_________________
LH:
BU : 05.06.2014 [✔]
FQ : 02.02.2015 [X]
------------------
Swiss
Stufe I : 25.09.2019 [✔]
Stufe II : 09.12.2019 [✔]
Stufe III : 09.12.2019 [✔]
Stufe IV : 06.01.2020 [X]
------------------
Next EFA ATPL?
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Austrian777
Captain
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Anmeldungsdatum: 16.08.2017
Beiträge: 79

BeitragVerfasst am: Di Okt 01, 2019 12:46 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Tobias K hat folgendes geschrieben:


Und kann man bereits nach dem ersten Tag ausscheiden?


Nein, du hast beide Tage (4 Übungen). Es geht darum, dass die eine Lernkurve und den Fortschritt von einer Übung zur nächsten beurteilen können. Die Frage, wie lang es an den beiden Tagen geht kann ich nicht so genau beantworten, ist bei mir schon ein paar Monate her. In meinem Fall waren wir zu zweit, am ersten Tag war mein Mitstreiter vor mir dran, am zweiten Tag war ich vorher dran. Ich würde sagen, dass ich am zweiten Tag (Übungen 3 und 4) um ca. 12 Uhr oder so fertig war.

Und natürlich herzlichen Glückwunsch an pyrat! Wann gehts für dich los an der LAT?
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pyrat
Captain
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Anmeldungsdatum: 28.01.2019
Beiträge: 79
Wohnort: Schweiz

BeitragVerfasst am: So Okt 06, 2019 10:45 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Tobias K hat folgendes geschrieben:
Herzlichen Glückwunsch zu diesem Erfolg!

An deinem Bericht merkt man mal wieder, was das Auswahlverfahren bei der Swiss für einen langen Weg mit sich bringt - aber natürlich umso schöner wenn es sich am Ende alles auszahlt.


Darf ich fragen wie lange der PIT an den beiden Tagen immer jeweils ging? Und kann man bereits nach dem ersten Tag ausscheiden?


Herzlichen Dank! Das kann ich so nur bestätigen, es ist eine lange aber sehr sehr spannende Zeit! Bezüglich Dauer des PITs möchte ich aufgrund der Verschwiegenheitsklausel keine Angaben machen, ich hoffe, Du verstehst das. Könnte mir aber vorstellen, dass man hier im Forum die Antwort findet.

SineD hat folgendes geschrieben:
Herzlichen Glückwunsch zum Bestandenen Assessment Very Happy

Darf ich fragen wann du das Interview hattest? Smile


Herzlichen Dank! Schick ich Dir per PN Smile

Austrian777 hat folgendes geschrieben:


Und natürlich herzlichen Glückwunsch an pyrat! Wann gehts für dich los an der LAT?


Herzlichen Dank! Antwort bekommst Du per PN Smile
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