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EB FQ 05./06.03.14

 
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chris994
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Anmeldungsdatum: 13.07.2013
Beiträge: 41
Wohnort: EDDW

BeitragVerfasst am: So Feb 08, 2015 8:38 am    Titel: EB FQ 05./06.03.14 Antworten mit Zitat

Habe gerade nach langer Zeit mal wieder meine LH Unterlagen durchgesehen, dabei fiel mir wieder ein, dass ich vergangenes Jahr auch einen EB verfasste, diesen aber nie veröffentlichte. Das möchte ich jetzt ändern, wär ja schade um die Arbeit. Hier also die Eindrücke aus meiner FQ:

Vortag:

Nachdem ich am frühen Nachmittag des Vortages in Hamburg ankam, checkte ich im M1 ein und machte mich dann recht bald mit einem anderen Kandidaten auf, um noch Kleinigkeiten beim Lidl zu besorgen. Am Abend trafen wir uns dann in der Lobby des Ibis. Wir lernten uns dabei alle etwas kennen und kamen ins Gespräch über Dieses und Jenes. Dabei war die Situation und Stimmung sichtlich angespannt und keiner von uns fühlte sich richtig wohl – naja, wir standen ja auch kurz vor der FQ der DLH! Die folgende Nacht war dann auch schon die erste richtige Strapaze: Von Nervosität und schlechtem Schlaf geplagt konnte ich mich nicht wirklich erholen.

Tag 1:

Aber auch darüber walzt die Zeit gnadenlos hinweg und so kam der Morgen. Beim Frühstück hatte ich damit zu kämpfen überhaupt etwas in den Magen zu bekommen, was mir aber wieder gezeigt hat, wie der menschliche Körper in gewissen Situationen z.B. Hunger zurückhält. Um 0800 war der offizielle Beginn veranschlagt, wir waren selbstverständlich alle schon früher beim DLR. Wir wurden dann aus dem Warteraum in einen anderen (klassenzimmerartigen) Raum geführt, wo jeden auf einem eigenen Tisch ein Namensschild erwartete. Auf meinem prangte neben dem Namen gleich mal die "1". Nach der Begrüßung eines Psychologen, stellte sich dieser und unser Auswahlkapitän kurz vor. Letzterer ermutigte uns durch die Aussage, er habe vor rund 26 Jahren auch auf der Seite der Prüflinge gesessen. Es wurde noch schnell geklärt, dass ein Kandidat erkrankte, bevor die zwei Herren den Raum verliesen und die erste Testleiterin erschien. Diese verkündetet ersteinmal die Aufteilung in zwei Gruppen, wobei eine den Raum verlassen und in den Warteraum zurückkehren solle und die andere – darunter ich – nun der Reihe nach die Situationsbeschreibung für das Streitgespräch erarbeiten durfte. Ich war dann auch der erste Kandidat und bekam die Rollenbeschreibung mit dem Hinweis auf die zehnminütige Vorbereitungszeit überreicht. Dabei durften Notizen angelegt werden, deren Mitnahme zum Test aber nicht gestattet war. So wurde ich dann von einer Psychologin abgeholt und in den Raum mit meiner Streitpartnerin geführt. Neben ihr erwarteten mich hier zwei weitere Mitglieder der Komission, die noch durch meine "Abholerin" ergänzt wurde. Wie angekündigt startet das Gespräch unmittelbar mit dem Betreten des Raumes. Mein Gegenüber war zu Beginn des Gesprächs, nichtsahnend über meine schlechten Neuigkeiten aus der Situationsbeschreibung, zunächst vollkommen freundlich und gut gelaunt. Dies änderte sich dann... Ziel des Gesprächs ist im Wesentlichen das Gegenüber zu beruhigen, für Verständnis zu werben und um Entschuldigung zu bitten, Kompromisse auszuarbeiten und auch das eigentliche Problem (in meiner Situation die fiktiv vorangegangene, fehlende Kommunikation zwischen ihr und mir) ausfindig zu machen und dafür Lösungsansätze zu finden. Nachdem ich mich gefühlt zuletzt etwas breitschlagen habe lassen, dadurch der Verlauf des Streits aber natürlich angenehmer wurde, war das rund 10 minütige Gespräch auch schon vorbei und ich wurde zurück in den Vorbereitungsraum gebeten, wo ich am PC mein Verhalten beurteilen sollte. Auch bekam ich dann an diesem PC gleich ein Einführungsvideo zum Gruppentest und dazu schließlich auch noch ein Handout. Dann war ich vorübergehend entlassen und durfte in den Warteraum, wo meine Mitstreiter aus der zweiten Gruppe bereits das Handout zum DCT in Händen hielten. Sobald alle aus meiner Streitgesprächsgruppe fertig waren und die andere Gruppe aus dem Warteraum in die Streitgesprächsvorbereitung geholt wurde, bekamen wir im DCT Raum eine vom Band gesprochene Einweisung in das Testprinzip, bei der die Testleiterin immer an den Bildschirmen auf gerade Genanntes durch Fingerdeut hinwies – sehr ähnlich der Einweisung in die Sicherheitsbestimmungen von Flugbegleitern Laughing. Wir wurden, ausgestattet mit einem Handout zum DCT, in den Warteraum zurückgebeten, wo wir alles nochmal in Ruhe nachlesen konnten. Danach waren wir – mein DCT Partner und ich – gleich wieder die ersten. Zum Ablauf des DCT bleibt nur zu ergänzen, dass man sich vor Beginn der Gruppendurchgänge bezüglich Vorgehensweise kurz absprechen darf/kann. Ansonsten war alles wie gehapt. Nach dem Test folgte eine Selbst- und Fremdeinschätzung per Formular. Was Anspannung und Anstrengung während des Tests betrifft war der DCT sicherlich an erster Stelle. Aber gut, keep on runnin‘. Nach der Mittagspause und dem nochmaligen Durchgehen des Gruppenspiel-Handouts war es so weit und der letzte Test für den ersten Tag begann: Wir, d.h. vier Kandidaten, saßen in einer Reihe vor jeweils einem Bildschirm, uns bzw. jedem einzelnen gegenüber ein Mitglied der Auswahlkommission. Durch die vier Aufgaben hindurch nahm jeder von uns wieder eine Rolle ein. I.d.F. waren wir alle Flugbegleiter und mussten einmal einen Dienstplan optimieren, einmal die Sitzplätze einer Kabine, dann denjenigen Auswählen der auf einem begehrten Umlauf nicht mitdarf und zu guter Letzt den auswählen, der für eine Beförderung vorgeschlagen werden sollte. Nach jedem Durchgang folgt wieder eine Selbst- und Fremdeinschätzung. Jeder baute seinen Punktestand von anfangs ca. 15 Minuspunkten solide weiter ins Negative aus, dass nach den vier Durchgängen keiner mehr – bzw. weniger Wink – als -35 Punkte hatte. Auch die nach jedem Durchgang verkündeten Ergebnisse der Bearbeitung der ständig mitlaufenden Zusatzaufgabe hörten sich schlecht an (i.d.R. <30> 60 % erreichen wollten.
Dann war der erste Tag testtechnisch "auch schon" geschafft. Nach ca. 1,5-2 Stunden Wartezeit wurden wir dann in alphabetischer Reihenfolge zur "Urteilsverkündung" geführt. "Ich hoffe Sie haben für morgen auch noch eine Unterkunft gebucht", hieß es dann bei mir von Seiten des vorsitzenden Auswahlkapitäns, was mich dann aus meinem Tal schlechter Eindrücke von mir selbst und meiner vermeintlich schlechten Testleistungen herausriss – der erste und meiner Meinung nach wesentlich unangenehmere Tag war erfolgreich geschafft! Zurück ins Hotel, nochmal ein kleines Treffen im Ibis, wieder rüber ins M1, nochmal über alle "Lerndaten" und die SIM-Beschreibung geschaut und dann ab ins Bett.

Tag 2:

Mein SIM-Termin war 0845, zwei andere Kandidaten waren schon um 0700 dran. Nach obligatorischer Wartezeit, wurde ich und – siehe da – mein DCT-Partner in den Raum mit den zwei FNPTs geholt. Uns wurde ohne Nachfragen gestattet den Kragenknopf zu öffnen und den Krawattenknoten zu lockern, was im Hinblick auf die verschließbaren und eher engen Kabinen sicher hilfreich war. Nachdem wir beide Platz genommen und den Sitz eingestellt hatten, sollten wir erstmal die Instrumente erklären und die Vorgaben (IAS, Climb Rate, Turn Rate, Bank und Power Settings) wiederholen. Es folgte eine Phase in der wir so zu sagen frei fliegen und das Verhalten des SIM sowie seine Bedienoberfläche (Yoke, Uhrbedienung, Heading Bug Knob und Thrust Lever) kennenlernen konnten. Dann folgten Übungs- und letztlich drei Testkurse. Auch hier kommt es wieder maßgeblich auf die Kommunikation an, d.h. Fehler die man bemerkt umgehend melden! Man sollte sich denke ich aber nicht verunsichern lassen wenn man schon etwas Flugerfahrung hat und dann Hinweise wegen 3° Kursabweichung oder 20 ft Höhenablage kommen Razz. Insgesamt kann ich sagen, dass mir der SIM mit Abstand am leichtesten fiel und der letzte Kurs sogar Spaß machte. So ging es also mit Euphorie und dem Gefühl den SIM in keinem Fall gefailed zu haben zurück in den Warteraum. Die zwei Kandidaten aus dem 0700 SIM-Durchgang kamen dann beide mit dem begehrten Blatt und in vollkommen aufgelöstem Gemütszustand aus ihrem Interview zurück – noch lange bevor es für mich losgehen sollte, auch wenn ich der nächste war. Nach der wohl längsten Wartezeit war es für mich dann eben erst nachmittags so weit, und ich wurde zum Interview geholt. Hier möchte ich nicht wirklich ins Detail gehen; das Interview ist absolut individuell und persönlich, was auch die langen Wartezeiten rechtfertigt. Die Kommission muss ja einige Dokumente sichten (Lebenslauf, Abiturzeugnis, Motivationsschreiben, 10 Fragen von vor der BU, Persönlichkeitsfaktorentest aus der BU, BU-Ergebnisse, Leistungen vom 1. FQ-Tag und vom SIM) und sich intensiv auf den Bewerber vorbereiten. Nur soviel sei gesagt: Das Interview war bei mir absolut entspannt, die Mitglieder der Auswahlkommission waren stets freundlich und hatten sogar eine beruhigenden Ausstrahlung. Ich habe mir im Vorfeld Daten wie QTY, Range, MTOW, Fuel Capacity, Seats eines jeden LH-Typs und was eben noch so alles im FQ-Ordner empfohlen wird, angeeignet, was mir im Vorfeld auf jeden Fall ein gutes Gewissen bereitete. Dennoch wurden meinen Mitstreitern und mir weder Fragen zu technischen Belangen gestellt noch musste ich irgendwelche Ansagen auf Englisch tätigen. Mein Interview dauerte ca. 40 Minuten. Nach einer weiteren Wartezeit von ca. einer halben Stunde war es so weit und es kam das Feedback. Mir wurden zwar viele Tipps mit auf den Weg gegeben und ich war angestrengt diese aufzunehmen, wenn einem aber kurz und bündig mal eben gesagt wird, man hat die FQ bestanden, und wenn man mit so viel Leidenschaft und Herzblut an der Luftfahrt und diesem Beruf hängt wie ich, so ist es denke ich absolut verständlich, dass man am liebsten erstmal laut Schreien würde und damit zu kämpfen hat seine Überwältigung zurückzuhalten.

Hier nochmal ein Lob an meine Mitstreiter, eine Quote von über 50 % muss uns erstmal eine andere Gruppe nachmachen!

Und noch die Statistik: FQ 05./06.03.14
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BU 07/13
FQ 03/14
MED 04/14
AUA 3

LAPL(A) 07/15
SPL 09/15
B.Eng. 07/17
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marc94erf
Bruchpilot
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Anmeldungsdatum: 05.08.2014
Beiträge: 6

BeitragVerfasst am: Sa März 14, 2015 11:05 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Fantastischer Erfahrungsbericht. Ich denke, ich spreche da für viele, wenn ich sage, dass dieser Bericht eine große Hilfe für alle diejenigen ist, die noch vor der FQ stehen.

Achso - natürlich auch einen herzlichen Glückwunsch und allzeit guten Flug. Wink
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Tarek
Senior First Officer
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Anmeldungsdatum: 23.04.2015
Beiträge: 49

BeitragVerfasst am: Sa Apr 25, 2015 11:34 am    Titel: Antworten mit Zitat

Hey, erstmal Glückwunsch für deinen bestandenen FQ und viel Glück bei deiner Ausbildung! Very Happy
Dieser Erfahrungsbericht hat mir sehr geholfen. Ich will ja nicht sagen, dass ich schon anfangen müsste zu lernen oder mich vorzubereiten, ich hab ja noch ein wenig Zeit (9. Klasse/ 14 Jahre Laughing )
Aber für mich gilt nach Erfahrung immer "Je früher, desto besser" also schau ich mir schon mal an wie die ganzen DLR-Tests laufen werden, wenn ich mich in ein paar Jahren bewerbe.
Also nochmal Danke Schön und Viel Glück weiterhin Smile
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chris994
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Anmeldungsdatum: 13.07.2013
Beiträge: 41
Wohnort: EDDW

BeitragVerfasst am: So Apr 26, 2015 7:51 am    Titel: Antworten mit Zitat

Vielen Dank marc94erf und Tarek! Smile

Tarek hat folgendes geschrieben:

Aber für mich gilt nach Erfahrung immer "Je früher, desto besser" also schau ich mir schon mal an wie die ganzen DLR-Tests laufen werden, wenn ich mich in ein paar Jahren bewerbe.


Viele raten zwar davon ab, sich schon so früh damit auseinanderzusetzen und verweisen darauf, erstmal die Schule anständig hinter sich zu bringen. Ich kann dir aber sagen, bei mir war's nicht anders - hab auch schon früh angefangen Wink. Solange man sich nur damit beschäftigt und nicht verrückt macht gilt meiner Ansicht nach: Lieber zu früh als zu spät!
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Tarek
Senior First Officer
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Anmeldungsdatum: 23.04.2015
Beiträge: 49

BeitragVerfasst am: So Apr 26, 2015 12:17 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Ja seh ich genau so, mir wurde auch gesagt ich habe noch genügend Zeit aber mir macht das alles ja auch Spaß und wenn die Schule nicht drunter leidet.. Smile
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