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Erfahrungsbericht Phase 3 Fläche/Fürstenfeldbruck 04/2019

 
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Verolox
Bruchpilot
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Anmeldungsdatum: 30.05.2019
Beiträge: 1
Wohnort: NRW

BeitragVerfasst am: Do Mai 30, 2019 7:50 am    Titel: Erfahrungsbericht Phase 3 Fläche/Fürstenfeldbruck 04/2019 Antworten mit Zitat

Guten Morgen zusammen,

ich habe im April an der Phase 3 teilgenommen und möchte hiermit nun Erfahrungen zurückgeben, die ich selbst vorher durch die ganzen Berichte hier im Forum sammeln durfte. Vielleicht freut sich ja der ein oder andere über einen weiteren, aktuellen Bericht. Nun denn.

Tag 1
Am ersten Tag ist wie auch schon aus Phase 2 bekannt die Anreise. Man findet sich bis 20 Uhr im Büro vom UvB ein, um seinen Schlüssel und ggf. seine Verpflegungskarte zu empfangen. Danach geht man auf die Stuben, und unterhält sich bestenfalls noch etwas mit anderen Bewerbern. Letzteres kann ich nur empfehlen, da das etwas die Spannung raus nimmt, und auch gleichzeitig schon mal die Gruppe für die nächsten Tage formt, denn ihr werdet einander brauchen. Wer jetzt noch intensiv lernen muss, hat sowieso etwas falsch gemacht; ich z.B. hab mir die Lernunterlage an diesem Abend nicht mal eine Sekunde mehr angesehen.


Tag 2
Der zweite Tag ist der erste große Tag. Meist an einem Montag morgen gehts erstmal relativ unausgeschlafen zum Essen und danach direkt zum Gebäude der Phase 3. Man kann auch schon ohne Aufforderung das Gebäude betreten, denn man soll im Aufenthaltsraum auf das Prüfteam warten. Irgendwann gegen 7 Uhr kommt dann einer der Prüfstabsoffiziere und nimmt euch mit in den Unterrichtsraum. Nach einer kurzen Begrüßung bekommt jeder einen Mission Folder und dann gehts direkt los mit dem 1. Test. Dieser ist nicht sonderlich schwer, aber man sollte schon die Lernunterlage genau gelesen haben. Bitte beachtet, dass dieser erste Test zwar nur 10 Fragen beinhaltet, dafür aber [b]nicht[/b] Multiple-Choice ist. Die Antworten müssen selbst notiert werden. Danach gehts dann erstmal weiter mit der Wiederholung der Lernunterlage, der Schwerpunkt bei dieser Wiederholung ist die Aerodynamik. Nach dieser Wiederholung wird auch über diese nochmal ein Test geschrieben, dieses Mal mit deutlich mehr Fragen, dafür aber jetzt Multiple-Choice only. Zeitansätze sind übrigens bei beiden Tests mehr als ausreichend. Im Anschluss daran gibts direkt das Briefing für Mission 1 und die Cockpiteinweisung. Nun hat man je nach Position im Ablaufplan Zeit zum Mittagessen und schon mal zum Lernen des Missionfolders, denn viele der "Normal Procedures" (letztendlich Anweisungen, wie und wann man Abhebt, Steigt, Sinkt, Kurven fliegt usw.) werden direkt in der 1. Mission gebraucht. Ich hatte das "Glück", direkt als erster dran zu sein, wodurch ich zum Essen und zum lernen ingesammt nur 50 Minuten Zeit hatte :D Mission geflogen, direkt zum Debriefing. Wundert euch an dieser Stelle nicht, dass man eigentlich ausschließlich gesagt bekommt, wie schlecht man war - das ist der Sinn des Debriefings, die Fehler ASAP zu korrigieren.
Wenn dann alle soweit durch sind, gehts zum Briefing für Mission 2 und danach in den Dienstschluss, der nichts anderes bedeutet als weiterlernen :D

Tag 3
Nach einer etwas besseren Nacht gehts am zweiten Tag genau wie am ersten Tag direkt wieder los mit einem Test. Die am Vortag aus dem Mission Folder auswendig gelernten Emergency Procedures werden abgefragt, zumindest ein paar davon. Die sind nicht sonderlich schwer, die Schwierigkeit besteht eher darin, dass diese Prozeduren Wort für Wort stimmen müssen. Großbuchstabe, Bindestrich, Punkt, alles muss genau so sein wie im Mission Folder. Im Anschluss geht es direkt zum Simulatorflug Mission 2. An dieser Stelle sei gesagt, dass alles, was in Mission 1 gemacht wurde, in der Mission 2 als Standard vorausgesetzt wird. Wer in Mission 1 große Probleme mit dem Takeoff und dem OPS-Check hatte, sollte diese Dinge auch bis zum Abwinken Chair Flyen, denn bei der Platzrunde in Mission 2 werden diese Dinge gebraucht. Versucht auch aktiv, eure Fehler aus dem Debriefing vom Vortag zu korrigieren. Ich hatte beispielsweise das Problem, dass ich beim Kurvenflug immer gesunken bin, also habe ich darauf verstärkt geachtet. Da in der Mission 2 auch schon Systemausfälle eingespielt werden, darf man aber auch nicht zu viel Gehirn fürs korrigieren von Kleinigkeiten verschwendet werden. Nach der Mission kommt wie ab sofort jeden Tag das Debriefing. Wiedermal wird besprochen, was denn alles nicht so toll war. Aber Kopf hoch, das bedeutet nicht, dass ihr schlecht blöd seid! Nachdem auch heute alle Bewerber durch waren, gings dann wie immer weiter mit dem Briefing für die nächste Mission. Ab zum Mittagessen, und dann kommt der berüchtigte Navigationsunterricht. 4 Stunden lang harte Theorie rund um Navigation und Arbeit mit dem Aristo Aviat. An dieser Stelle kann ich nur das raten, was alle anderen in ihren Erfahrungsberichten auch raten: Schaut euch das Teil vorher mal an. Man findet auch Google immer etwas, wenn man nur lange genug sucht. Falls doch nicht, probierts mal mit E6B. Aber Vorsicht! Der E6B ist dem Aristo zwar ähnlich, aber nicht identisch. Ihr sollt aber auch nicht das Teil auswendig lernen, sondern nur verstehen, was es ist und was es macht. Auch wenn der Unterricht gegen 17 Uhr endet, lernt man noch bis in den späten Abend hinein. Denn neben dem anstehenden Test am nächsten Morgen muss auch noch eine Mission vorbereitet werden (Chair-Flying).

Tag 4
Nach dem wohl längsten Tag gehts morgens wie immer mit dem Theorietest los - heute nur der Navigationstest. Nach zwanzig Minuten isses auch schon vorbei, und man findet sich wie immer kurz im Aufenthaltsraum ein, bevor die SimLehrer die Bewerber nach und nach zum fliegen abholen. An dieser Stelle mussten wir 5 uns leider vom ersten Bewerber verabschieden, denn er hatte mit dem Navigationstest den zweiten Test im roten Bereich :( Das zeigt, wie wichtig die Theorie ist, also gebt Gas! Noch erschreckender war, dass zwei weitere Bewerber mit einem langem Gesicht aus der Mission 3 zurückkamen, denn auch diesen wurde mitgeteilt, dass die Reise ein Ende hatte. Da ich an diesem Tag als allerletzter die Misison 3 fliegen sollte, machte ich mir natürlich schon ein paar Gedanken, warum denn direkt zwei Bewerber an der Mission 3 scheiterten. Aber als ich dann selbst dran war, stellte sich heraus, dass die Mission 3 mega Spaß macht! Also seid da nicht zu sehr auf Parameter versteift, denn gerade im letzten Teil des Luftkampfes kommt es (für mich zumindest) nur auf sein eigenes Gefühl an, im dreidimensionalen Raum die Orientierung zu behalten und an seinem Gegner dran zu bleiben :)
Nach dem Debriefing gehts wie immer direkt zum Briefing für die nächste Mission, mit jetzt nur noch zwei von fünf Bewerbern irgendwie seltsam. Nach dem Briefing ist aber tatsächlich schon Schluss, also ganz starker Kontrast zum Vortag.

Tag 5
Am fünften Tag wird nur noch morgens kurz der zweite und letzte EPQ geschrieben, dieses mal über die letzten paar Emergency Procedures, die noch übrig geblieben sind. Am Vortag hatte man aber genug Zeit, um diese zu lernen. Danach gehts zu zweit direkt ab zur Mission 4, die wirklich herausfordernd ist. Während man die letzten drei Tage beinahe ständig das gleiche gemacht hat, ist man völlig in einer ganz anderen Welt. Fursty TWR wird plötzlich zu Alpha TWR, man startet auf einem anderen Platz mit anderer Flugplatzhöhe (Elevation), und das Horizontbild ist auch nutzlos aufgrund der Berge. Generell ist auch die Umgebung völlig neu. Macht euch jetzt noch keine Sorgen, im Briefing wird alles ausreichend erklärt. Das gilt übrigens für jede Mission! Zwei drei Dinge für Mission 4 möchte ich euch aber trotzdem mit auf den Weg geben, auch wenn ihr das erst verstehen könnt, wenn ihr das Briefing hinter euch hattet:
1. Verinnerlicht ganz genau den Unterschied zwischen Straßen und Flüssen! Die Farben sind beim Fliegen in 500ft AGL und 150KIAS schwer zu identifizieren, und so habe ich einmal einen Fluss mit einer Straße verwechselt und bin somit [b]drei Mal[/b] über ein und den selben, falschen Punkt geflogen. Am Ende musste mein SimLehrer mich Wort für Wort leiten, da ich meinen Fehler nicht verstehen konnte.
2. Wenn es dazu kommt, dass ihr ein feindliches Luftfahrzeug bekämpfen müsst, dann denkt an das, was ihr aus Mission 3 gelernt habt. Ich war so bescheuert zu denken, ich müsste auch während des Luftkampfes 500ft AGL und 150 KIAS einhalten. Versucht mal beim Luftkampf, der auch teilweise Kopfüber usw. verläuft, die perfekte Höhe über Grund und die Geschwindigkeit zu halten - an einem verdammten Berghang. Völlig lächerlich, keine Ahnung, was da mit mir los war :D :D Selbst der SimLehrer hat im Debriefing etwas lachen müssen, weil das so bescheuert war, hehe :D
Tatsächlich wurde ich sogar von meinem Feind angeschossen und wäre fast abgestürzt, aber irgendwie hat mein Flugzeug nur geraucht, und nicht gebrannt. Selbst der SimLehrer konnte sich nicht erklären, wie ich das überlebt habe. Am Ende hab ich dann doch noch den Luftkampf gewonnen :D
3. Haltet euch an das, was ihn den BOLD FACE EMERGENCY PROCEDURES beschrieben wird. Ihr werdet definitiv spätestens jetzt ein schwerwiegendes Problem haben, welches euch letztendlich zur Notlandung zwingt. Ich hatte die Aufgabe, GEAR und FLAPS vor dem Landeanflug auszufahren. Habe ich aber nicht gemacht, weil ich doch etwas die Geduld verloren habe und unbedingt runter wollte, da die RWY schon vor mir war. Was kam raus? Ich war[b] viel[/b] zu schnell und musste echt hart mit THROTTLE und GEAR arbeiten, um die FLAPS am Ende noch rauszukriegen, bevor ich aufsetze. Ach ja, und dabei muss man ja auch noch funken, also alles sehr knapp gewesen.
Nach der Mission kommt dann das letzte Debriefing, was wie immer verläuft.
Es gibt eine großzügige Pause von ca. einer Stunde, und dann gehts ab ins Abschlussgespräch mit dem Psychologen. Dieser spricht mit euch noch mal etwas über Motivation, fragt euch was ihr fliegen möchtet und prüft, ob ihr auch etwas über den Ausbildungsverlauf wisst. Außerdem wird dieser euch fragen, was ihr denn alles fliegen würdet, wenn ihr dürftet. Ja, er fragt auch, ob ihr Drohne fliegen würdet. Das hat aber noch nichts damit zu tun, was ihr letztendlich werdet, denn das wird an diesem Tag erst Mittags entschieden. Ihr habt nun nach dem Gespräch also die Wahl, ob ihr abwartet und persönlich das Ergebnis bekommt, oder ob ihr schon mal Heim fahrt und telefonisch nachfragt.

Ich selbst habe mich entschieden, schon mal Heim zu fahren und gegen 14 Uhr anzurufen. Als ich dann um 14 Uhr anrief, bekam ich die wohl beste Nachricht seit langem: Die Auswahlkomission, bestehend aus Prüfstabsoffizier, Psychologe und SimLehrer, hält mich für geeignet und gibt diese Eignung zusammen mit der Verwendungsempfehlung Jet Front Seat weiter 8) :)
Kurz beim Telefongespräch zusammengerissen, danach dann erstmal fassungslos. Die letzten drei Jahre habe ich auf diesen Moment hingearbeitet und gewartet, und nun tatsächlich meinen Traum erfüllt - zumindest vorerst. Die Ausbildung usw. gilt natürlich auch erstmal zu bestehen. Ich konnte es auch kaum erwarten, meinen ganzen Kameraden, die unter anderem bereits aktive Jetpiloten sind, davon zu erzählen (Kleiner Hint: Ich bin bereits Soldat bei einem Eurofighter-Geschwader)

Natürlich teilte mir der Psychologe mit, dass meine Eignung noch keine Einstellungszusage sei. Da ich aber sogar den Eignungsgrad Bravo erhalten habe, habe ich mir aber auch nicht allzu große Sorgen gemacht. Und tatsächlich: Nicht mal 24 Stunden später rief mein Einplaner an und teilte mir nach seinen persönlichen Glückwünschen mit, dass er mich sofort als Strahflugzeugführer mit dem Studiengang Aeronautical Engineering für den Jahrgang 2019 umgeplant hatte.

Abschließend kann ich sagen, dass Phase 3 zwar fordernd war, aber wie so oft behauptet tatsächlich keine Hexerei ist. Wer sich gut vorbereitet und alles gibt, wird auch sehr wahrscheinlich erfolgreich zurückkehren. Letzteres ist meiner Meinung nach das wichtigste überhaupt. Seit Phase 1 konnte ich immer wieder beobachten, wie immer die gleichen Leute durchgefallen sind: Bewerber, die nicht hunderprozentig motiviert sind. Bewerber, die nicht genau wissen, ob fliegen denn wirklich so cool sind. Bewerber, welche sich auch mit dem Durchfallen zufrieden geben. Macht also nicht diesen Fehler und gebt nicht 100%, sondern direkt 150%.

Bei weiteren Fragen stehe ich natürlich gerne zur Verfügung, ansonsten solls das erstmal gewesen sein. Vielen Dank nochmal an alle, die vor mir ihre Erfahrungen geteilt haben! Diese Berichte sind sehr viel Wert gewesen, und ich hoffe, auch mit diesem Bericht ein paar Bewerbern den letzten Ruck zu geben, um erfolgreich zu bestehen :)
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I feel the need... the need for speed!
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Eurofighter2019
Bruchpilot
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Anmeldungsdatum: 23.01.2019
Beiträge: 3

BeitragVerfasst am: So Jun 16, 2019 7:56 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Glückwunsch!!! Bin selber auch gerade im Bewerbungsprozess Wink
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Flying Fortress
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Anmeldungsdatum: 26.01.2016
Beiträge: 54

BeitragVerfasst am: Mo Jun 17, 2019 8:48 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Glückwunsch, wie lange hat es von Bewerbung bis Phase 3 bei dir insgesamt gedauert?
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No surrender
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Braindamage
Bruchpilot
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Anmeldungsdatum: 16.07.2019
Beiträge: 3
Wohnort: Celle

BeitragVerfasst am: Do Aug 15, 2019 9:02 am    Titel: Antworten mit Zitat

Flying Fortress hat folgendes geschrieben:
Glückwunsch, wie lange hat es von Bewerbung bis Phase 3 bei dir insgesamt gedauert?


Moin,

hab' gesehen, dass dir noch niemand geantwortet hat, also dachte ich, ich gebe mal weiter, wie's bei mir war:

Bewerbung: Ende Februar
Köln/Phase I: 25. Mai
Phase II: 22. Juli
Phase III: 02. September

LG
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