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Bitte um ehrliche Meinung, +30 Ingenieure und Pilot werden ?
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NiTh
Bruchpilot
Bruchpilot


Anmeldungsdatum: 03.01.2018
Beiträge: 11
Wohnort: Düsseldorf

BeitragVerfasst am: Mi Jan 03, 2018 9:38 pm    Titel: Bitte um ehrliche Meinung, +30 Ingenieure und Pilot werden ? Antworten mit Zitat

Hallo zusammen,

kurz zu meiner Person. In 3 Wochen werde ich 31 und mein Werdegang war bis jetzt folgender:

1. Realschule
2. Ausbildung (KFZ) + 3 Jahre Berufserfahrung
3. Fachabi nachgeholt
4. Bachelor of Engineering (HS)
5. Master of Science (HS)
6. Berufserfahrung als Ingenieur (Automotiv Branche), Unbefristet

Nun zu meinem Problem. Schon seit der Kindheit wollte ich hoch hinaus aber mir fehlte an Engagement, Mut,... um etwas derartiges zu machen, dazu kamen etliche andere Problematiken. Nach der Ausbildung habe ich mich noch einmal getraut und mein Studium in der Regelstudienzeit absolviert. Nun wächst mein Wunsch weiter und weiter ein Pilot zu werden. Etliche Tage/Wochen habe ich damit verbracht, mir Informationen und Erfahrung einzuholen. Diese sind jedoch sehr unterschiedlich. Des Weiteren habe ich mich für die Infoveranstaltung an der RWL Academy eingeschrieben um weitere Infos einzuholen.
Ein ähnliches Thema wurde bereits im Jahr 2015 hier im Forum diskutiert aber danach gab es keine Rückmeldung von dem Verfasser.

Nun zu meinem Anliegen:
Natürlich werde ich mich als erstes für die ab into Stellen bewerben (SWISS, LH, AUA, Condor). Bei dieser art der Bewerbung geht es mir um einen sicheren Einstieg als Pilot. Gehalt ist ERSTMAL zweitrangig.

Wenn diese Option nicht gelingt, spiele ich mit dem Gedanken eine private Ausbildung (ATPL) zu absolvieren (RWL)

Und hier habe ich so meine Probleme

- Hohe Kosten die ich aus eigener Tasche zahlen muss
- Jobgarantie = keine
- zwiespältige Referenzen
- große Angst mit -80k € Schulden zu stehen und ohne jemals im Cockpit gewesen zu sein

Mir ist auch bewusst, dass die Kosten so oder so an den Lehrling weiter gegeben werden jedoch "streckt" die Airline die Kosten erst einmal vor und holt sich die später wider (Verrechnung mit dem Gehalt).

Lohnt es sich heut zu Tage eine Pilotenausbildung privat zu machen ? Wie sieht es auf den Markt aus ? Besteht noch Bedarf an Piloten ohne Berufserfahrung ? Wie realistisch ist es in ein Cockpit zu kommen mit einer privat bezahlten Ausbildung ?

Ich möchte nicht, dass ihr die Wahl für mich übernimmt, mir geht es um eure Meinung oder Erfahrungen. Was würdet ihr mir raten ? Hier sind doch einige erfahrene Piloten/in vertreten die mir hoffentlich ihre Meinung/Rat sagen können. Für welchen weg würdet ihr mir raten und warum ?
Meinen unbefristeten Job als Maschinenbau Ingenieur weiter fort zu führen oder einen Neuanfang riskieren ?

Mein alter Klassenkamerad ist nun Pilot seit 5 Jahren und seine Aussage war folgendes: "Wer Pilot werden will, wird es. Ob er einen Job bekommt ist jedoch unklar" (bezogen auf seine Ausbildung bei RWL). Leider hatte er kein Glück in Deutschland und ist in seine Heimat ausgewandert und Fliegt dort für die Turkish Airlines.

Vielen dank im Voraus.
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B1900D
Captain
Captain


Anmeldungsdatum: 15.02.2011
Beiträge: 2010

BeitragVerfasst am: Do Jan 04, 2018 3:52 am    Titel: Antworten mit Zitat

Wenn ich Deinen Text lese, bist Du Risikoscheu und hast ein Problem mit der finanziellen Investition... das ist die Schwelle des Verstandes und es tut sich gut, diese auch nicht zu ignorieren.

Ganz ehrlich: lass es bleiben. Konzentriere und investiere lieber auf das, was Du hast und baue weiter darauf auf, anstatt Deinem Lebenslauf einen derartigen Knick zu verpassen, mit unsicherem Ausgang.

Der Job von Deinem Kumpel hört sich schön und nett an, aber was unterm Strich für die Arbeitsleistung dabei herauskommt, ist bei der TK anscheinend lächerlich - jedenfalls sind die Einheimischen (besonders die FO's) mit der Vergütung alles andere als happy... fliegen hin oder her - irgendwann tut der Allerwerteste dort jedefalls anscheinend auch ziemlich weh...

Wie ich bei anderen aber auch immer sage, bringen Ratschläge von anderen nicht viel, man muß halt aktiv werden und machen, alles andere sind ungelegte Eier - Du wirst erst eine Antwort bekommen, wenn Du Dich für die genannten Möglichkeiten qualifiziert hast.

Das Thema wiederholt sich hier im Wochenrythmus ständig und bei den meisten ist es eh nur gelaber über eine Phantasieträumerei.

Du hast Dir zumindest mal die Mühe gemacht, bei der RWL vorbeizuschauen... viel mehr wirst Du für eine Entscheidungsfindung nicht bekommen, dass sind nunmal die Fakten. Jetzt musst Du Dir überlegen: bin ich überhaupt der Typ dafür, alles erreichte auf Level 0 zurückzusetzen ? Hast Du Dir Gedanken gemacht, wie sich dass Ganze auf Dein Privatleben auswirken würde ? Du wirst gewohnte Strukturen und Beziehungen wohlmöglich langfristig sprengen - da meist Ortswechsel anstehen etc. etc. Dein Alter ist ebenfalls für so einen Lebenswandel grenzwertig. Dein Kamerad hat ja vom Alter her auch mit 23,24 oder 25 mit der Ausbildung begonnen, wenn er schon 5 Jahre im Beruf ist.

Darum ist meine Empfehlung, wenn man die private Schiene geht, auch immer die Modulare Ausbildung nebenberuflich anzugehen, auch wenn dass mehr Zeit beansprucht. So kann man Schritt für Schritt planen und riskiert nicht, alles auf eine Karte zu setzen. Wenn es dann nicht gleich oder gar nicht bei der Airline klappt, hat man ein teures Hobby, womit man seine Freizeit verschönern kann und vielleicht ergibt sich später doch etwas in der Berufsfliegerei - aber ganz ohne Qualifikation, bringt es erstmal gar nix. Das muss man sich halt selber zahlenmässig €€€ ausrechnen und Zeit ist auch Geld.

Bei den Ausbildungen direkt bei der Airline, bringt es auch nichts zu spekulieren, also Assessment machen und bei positiven Ausgang entscheiden - alle anderen Gedanken sind ungelegte Eier bzw. noch nicht verfügbare Möglichkeiten...
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NiTh
Bruchpilot
Bruchpilot


Anmeldungsdatum: 03.01.2018
Beiträge: 11
Wohnort: Düsseldorf

BeitragVerfasst am: Do Jan 04, 2018 8:46 am    Titel: Antworten mit Zitat

Guten morgen und vielen dank für deine Rückmeldung.
Natürlich habe ich mir auch schon Gedanken gemacht was alles passieren kann. Das auch meine kleine Familie mit mir umziehen muss und das Freundschaften in Brüche gehen können. Auch das man wenig Zeit für seine eigene Familie hat ist mir auch bewusst. Diese alle riesigen bin ich (wir) bereit einzugehen.
Bevor ich es aber tue, will ich mir 100% sicher sein, auf was ich mich da einlasse und was die Konsequenzen für mich sein können.
Besonders geht es mir um die Einstellungsmöglichkeiten. Wie sieht es mit den Pilotenbedarf den aus ? Man ließt ja so einiges aber was ist wirklich war ? Wie stehen die Chancen nach der Ausbildung ins Cockpit zu kommen ?

Mit 20 wäre ich bereit das Risiko, ohne nach zu denken einzugehen aber jetzt sieht es ein wenig anders aus. Als Hauptverdiener in der Familie denkt man anders nach.

Das mit Risikoscheu, stimme ich nur teils zu. Habe schon einmal ein unbefristetes Verhältnis als Mechaniker aufgegeben und von 0 gestartet. In diesem Fall hat es sich gelohnt und bin jetzt definitiv besser dran (Finanziell und Lebensqualität).
Ich hatte kein Einkommen und musste durch Nebenjobs meinen Unterhalt bezahlen.
Jetzt muss ich über meine Entscheidung doppelt und dreifach überlegen bevor ich was tue. Deswegen versuche ich mir so viele Informationen wie möglich einzuholen um eine rationale Entscheidung zu treffen.
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B1900D
Captain
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Anmeldungsdatum: 15.02.2011
Beiträge: 2010

BeitragVerfasst am: Do Jan 04, 2018 10:56 am    Titel: Antworten mit Zitat

Du hast eine Familie... noch ein Grund es vielleicht lieber nicht zu tun - Deine Frau mag dem jetzt zustimmen und scheinbar Verständnis dafür aufbringen, dass kann sich allerdings nach realen Erfahrungswerten im Pilotenalltag ganz schnell verändern - dieser Job ist ein Beziehungskiller.

Das Problem ist, Du weißt nicht was die wahren langfristigen Konsequenzen sind und es gibt momentan für Dich keine rationale Entscheidungsmöglichkeit.

Melde Dich halt bei Swiss usw. an und schau was passiert - da hast Du ja erst mal nichts zu verlieren. Wenn Du ein bestandenes Assessment in der Hand hast, dann erst brauchst Du Dir überhaupt darüber Gedanken zu machen, wie es weiter geht. Da bist Du jedoch im Moment noch nicht.

Bei einer privaten Ausbildung wie z.B. bei der RWL, ist es eine reine Kostenrechnung - und solange Du keinen Lappen hast, kannst Du dich nirgendwo bewerben und damit Geld verdienen. Ohne aktives Type Rating und ein gewisses Stundenminimum, läuft heutzutage kaum irgendwo was und wenn, dann braucht man auch das notwendige Glück - das ist die Realität.

Wie und wohin sich dieser Markt entwickelt, ist tatsächlich nur ganz schwer vorauszusagen.
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NiTh
Bruchpilot
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Anmeldungsdatum: 03.01.2018
Beiträge: 11
Wohnort: Düsseldorf

BeitragVerfasst am: Do Jan 04, 2018 11:37 am    Titel: Antworten mit Zitat

Ok ich verstehe. Es ist nicht nur eine berufliche/finanzielle Herausforderung sondern auch private Umstände werden stark strapaziert.

Ein gewisses Flugstundenminimum wird bei der Ausbildung erreicht, ist das soweit richtig ? Dies ist jedoch nicht ausreichen und muss/kann mit weiteren Stunden aufgestockt werden (um attraktiver für den Arbeitgeber zu sein/ von der Masse ausstechen) ? welche natürlich weitere Kosten mit sich bringen ? Ist mein Verständnis korrekt ?

Wie sieht es mit meinem Studium aus ? Zählt es als eine zusätzliche und nützliche Qualifikation oder hat es keinerlei Auswirkung auf die Bewerbung ? Zusätzlich spreche ich 3 Sprachen fließend.

Tut mir leid für die vielen Fragen und danke dein Verständnis.
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ChuckN
Captain
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Anmeldungsdatum: 29.05.2013
Beiträge: 222

BeitragVerfasst am: Do Jan 04, 2018 12:07 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Ich mache es kurz.
Lass es bleiben und ich meine es nur gut mit dir.
Klar, hier gibt es immer wieder irgendwelche Leute, die ihre Erfolgsgeschichten laut rausposaunen müssen. In den sozialen Medien siehst du auch nur freudesstrahlende Piloten, die von ihrem götterlichen Leben tagtäglich erzählen.
Die RWL bildet Piloten wie am Fließband aus. Dort finden ein paar einen Job. Aber es bleiben auch deutlich viele auf der Strecke. Rufe bei der VC in FRA an und frage mal nach der Arbeitslosenquote von Piloten in Deutschland oder gar Europa. Tausende suchen händeringend nach irgendeinem Job in einem Cockpit. Tausende fliegen für Ryanair, haben das Type Rating selbst bezahlt, haben das Assessment selbst bezahlt, haben einen prekären Schein-Selbständigkeitsarbeitsvertrag unterschrieben und kamen so in die Luftfahrt hinein. Das ist sind dann noch die positiven Geschichten.
Es gibt auch nicht wenige Leute, die sind in der Privatinsolvenz gelandet oder haben sich den Strick genommen. Von denen liest man in den Foren aber nichts, da das keinen interessiert und nur der Sonnenschein - der Glanz und Erfolg - zählt und wichtig ist.
Es ist nicht mein Geld und nicht mein Leben.
Mach' 'was du willst. Entscheiden tust du selbst.
Wenn du 10-20 Jahre in die Zukunft schaust, dann müsste deine Entscheidungsfindung noch einfacher ablaufen.


NiTh hat folgendes geschrieben:

Ein gewisses Flugstundenminimum wird bei der Ausbildung erreicht, ist das soweit richtig ? Dies ist jedoch nicht ausreichen und muss/kann mit weiteren Stunden aufgestockt werden (um attraktiver für den Arbeitgeber zu sein/ von der Masse ausstechen) ? welche natürlich weitere Kosten mit sich bringen ? Ist mein Verständnis korrekt ?


Summa-summarum kommen am Ende etwa 180-200 Stunden heraus (inklusive Simulator) - Die Behörde stellt dir dann einen EASA CPL/IR (frozen ATPL) aus. Mit diesem kannst du dich dann bei einigen Fluggesellschaften beworben und dich ins Haifischbecken mit tausenden anderen begeben.

Einige Fluggesellschaften fordern auch ein Type Rating (TR) für den Airbus A320 oder die Boeing B737. Dieses kostet dich zusätzlich etwa 30.000 Euro.
In der gesamten Business Aviation (auf die ja gerne verwiesen wird) wird gefordert, dass die Kosten für das erste TR selbst trägst. Danach übernimmt meist der Arbeitgeber die Kosten für die weiteren Ratings.

NiTh hat folgendes geschrieben:

Wie sieht es mit meinem Studium aus ? Zählt es als eine zusätzliche und nützliche Qualifikation oder hat es keinerlei Auswirkung auf die Bewerbung ? Zusätzlich spreche ich 3 Sprachen fließend.


Das mag in der Bewerbung schön aussehen und im Interview sicher einen guten Eindruck machen. Es befördert dich aber nicht an den anderen Bewerbern vorbei. Von dir wird primär gefordert ein Verkehrsflugzeug sicher von A nach B zu fliegen.
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Mobie
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Anmeldungsdatum: 20.03.2014
Beiträge: 36

BeitragVerfasst am: Do Jan 04, 2018 12:18 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Grundsätzlich stimme ich mit B1900D zu 99% überein.
Bezüglich der privaten Ausbildung möchte ich nur anmerken, dass du bei einer Flugschule wie der RWL oder LATPA (früher PTN), an Auswahlverfahren von Airlines rankommst, die ohne diese Flugschulen nicht erreichbar wären.

Das fängt bei der RWL sogar schon während der Ausbildung an. Da schaut dann einfach mal die DHL vorbei und möglicherweise bekommst du schon vor deinen LBA-Prüfungen einen Job angeboten.
Wie fast überall hast du immer bessere Chancen, wenn du dich in die Ausbildung hängst und niemals Schwierigkeiten hattest. Denn die eben genannten Flugschulen haben eben Vorgaben von den Airlines. Zu solchen speziellen Auswahlverfahren kommen meistens nicht alle die sich intern dafür interessieren.

Als Schwierigkeiten sind nicht bestandene interne Prüfungen, ein oder mehrere Fächer beim LBA nicht bestanden oder wiederholt auftretendes Zusatztraining zu verstehen. Ob dir das passieren wird, kannst du natürlich nicht wissen.

Vieles liegt bei dir und du kannst einiges beeinflussen. Nicht zu beeinflussen sind manche Fragen bei der LBA-Prüfung oder manche Fluglehrer. Die Probleme kannst du überall haben, selbst bei der Lufthansa Ausbildung. Wenn dort ein Fluglehrer in Phoenix (auch als der Endgegner bekannt) bei einem Checkflug bemerkt, dass du im Steepturn 50ft oder im Traffic Pattern 10kts verloren hast, kannst du schon durchgefallen sein. Dass das lächerlich ist, ist den meisten klar. Allerdings kann auch dir eine solche Willkür widerfahren.

Auch eine modulare Ausbildung kann dich zum Erfolg führen. Dafür musst du nicht an eine bekannte Flugschule gehen. Diese Kooperationen mit Airlines sind sicher eine Hilfe, von den du profitieren kannst, aber nicht musst.
Falls du dich dafür Entscheidest, kannst du in paar Jahren darüber berichten. Das würde sicherlich viele andere interessieren, die dann wie du vor dieser Frage stehen. Smile
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flapfail
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Anmeldungsdatum: 23.03.2008
Beiträge: 5765
Wohnort: OGLE-2005-BLG-390Lb

BeitragVerfasst am: Do Jan 04, 2018 1:15 pm    Titel: Antworten mit Zitat

NiTh hat folgendes geschrieben:


Wie sieht es mit meinem Studium aus ? Zählt es als eine zusätzliche und nützliche Qualifikation oder hat es keinerlei Auswirkung auf die Bewerbung ? Zusätzlich spreche ich 3 Sprachen fließend.
.


Das ist für eine Pilotenlaufbahn unerheblich und hat keinerlei Bedeutung für die Bewerbung.
Hauptsache man erfüllt die Qualifikationsvoraussetzungen die für die Bewerbung erforderlich sind (Abitur etc:)
_________________
http://flapfail.hat-gar-keine-homepage.de/
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NiTh
Bruchpilot
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Anmeldungsdatum: 03.01.2018
Beiträge: 11
Wohnort: Düsseldorf

BeitragVerfasst am: Do Jan 04, 2018 2:22 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Danke für eure ehrlichen Meinungen und Tipps. Ich werde mir jetzt in den folgenden Tagen/Wochen noch einmal Gedanken darüber machen und alles genau Abwegen. Um ehrlich zu sein, es sind keine rosigen Aussichten. Es spricht so vieles.

Sollte ich mich doch dafür entscheiden, dann würde ich meine Erfahrungen/Erlebnisse ausgiebig teilen.

Vielen Dank an alle
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Bundeswehrbewerber
Bruchpilot
Bruchpilot


Anmeldungsdatum: 14.12.2017
Beiträge: 12

BeitragVerfasst am: Do Jan 04, 2018 3:01 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Ich kann mich zumindest teilweise in deiner Situation wiederfinden. Ich bin jetzt 26, habe nach dem Abi eine Ausbildung gemacht, hatte aber genau wie du immer den Wunsch Pilot zu werden. Die BU hatte ich 2012 sogar noch bestanden, aber danach kam ja erst mal nichts mehr seitens der LH. Daher hatte ich den Traum vorerst begraben und was "vernünftiges" gelernt, um erstmal was sicheres in der Tasche zu haben. Als das geschafft war, habe ich mich wieder umgeschaut und bin letztendlich bei der Bundeswehr gelandet (starte zum 1.10. als Transportflugzeugführer).
Wenn die Ausbildung startet bin ich gerade 27, im Cockpit werde ich mit frühstens 32/33 Jahren sitzen.

Der einzige Grund warum ich keine Sekunde gezögert hatte, als man mir den Platz angeboten hat, ist die Sicherheit, die die BW bietet: Die komplette Ausbildung wird bezahlt, ich bekomme ab Tag 1 einen üppigen Sold (sogar mehr als ich momentan mit meiner Vollzeitarbeitsstelle verdiene^^) und selbst wenn ich keinen Platz im Cockpit bekommen sollte (was leider auch passieren kann), habe ich für 16 Jahre einen sicheren Arbeitsplatz. Und wenn die Zeit beim Bund vorbei ist, kann ich es mit der Lizenz auch auf dem zivilen Markt versuchen.
Ich hätte diesen Schritt nie gewagt, wenn ich diese Sicherheiten nicht hätte. Selbst wenn die LH heute anruft und ich morgen anfangen könnte, würde ich dankend ablehnen. Von einer privaten Ausbildung ganz zu schweigen...

Ich kenne vier Leute, die sich ihren "Traum"-Beruf verwirklicht haben, drei davon privat, einer bei LH. Der erste fliegt nach drei Jahren Jobsuche als Freelancer VIPs auf Citation durch die Gegend, der zweite ist bei einer winzigen FG in Malta gelandet. Der dritte, welcher im Mai 2012 (!) die FQ beim Kranich bestanden hat, ist bis heute nicht im Cockpit. Dazu muss man sagen, dass alle drei in den ganz schlimmen Jahren 2011-2015 ihre Ausbildungen gemacht haben. Ein anderer Freund von mir ist 2008 fertig geworden und fliegt nach zwei Zwischenstationen (u.a. Turkish) bei Emirates auf 777 und weiß nicht wohin mit seinem Geld...

Wenn du mich fragst, würde ich dir auch eher abraten. Du findest zwar mit Sicherheit auch mit 31 Jahren Flugschulen, die dich ausbilden wollen, denen geht’s in erster Linie darum dich durch die Ausbildung zu bringen, denn damit verdienen die ihr Geld.
Außerdem ist der Pilotenmarkt extrem volatil, man kann kaum vorhersagen, was 2020/2021 auf der Welt los sein wird, wenn du mit der Ausbildung fertig bist.
Ich hoffe du hast bedacht, dass du nicht nur die finanziellen Mittel für die Ausbildung aufbringen musst, sondern auch für das Leben, was währenddessen stattfindet, inkl. Familie.
Selbst wenn alles perfekt läuft und du sofort einen Job findest, wirst du über viele Jahre hinweg die Ausbildungs-Schulden abbezahlen müssen, vorausgesetzt du hast 100.000€+ nicht auf der hohen Kante liegen. Was danach vom ohnehin nicht üppigen Einstiegsgehalt übrig bleibt, wird dich wahrscheinlich eher an deine Zeit als Geselle erinnern.
Du hast dir als Ingenieur bestimmt kein schlechtes Gehalt und deiner Familie damit ein gewissen Lebensstandard aufgebaut. Bist du, seid ihr bereit, diesen Standard mittel- bis langfristig aufzugeben?
Man könnte deine Frage auch so umformulieren, um deren Trageweite zu verdeutlichen: „Soll ich Pilot werden oder mir ein Haus kaufen?“

Bist du wirklich bereit ein sicheres und geregeltes Leben aufzugeben und dich und deine Familie in eine ungewisse Zukunft zu lotsen? Ich konnte meine Entscheidung für mich treffen, da ich alleinstehend bin. Du musst dir bewusst sein, dass deine Entscheidung das Leben deines/deiner Partners/Partnerin und (falls vorhanden) deiner Kinder massiv beeinflussen wird.

Ich kann aber genauso gut deinen tiefen Wunsch nachvollziehen. Wie du selbst eingangs gesagt hast, musst du selbst die Entscheidung treffen.
Meine Antwort ist jetzt fast nur negativ ausgefallen, aber ich will dich dennoch ermutigen, weiter dran zu bleiben, wie gesagt ich kann deinen Wunsch aus eigener Erfahrung nachvollziehen. Mit 31 ist man zwar spät dran, aber es ist meiner Meinung nach noch nicht zu spät.

Was ich dir empfehlen kann, ist sich auch mal beim Fliegerischen Dienst der Bundeswehr umzusehen, ich hatte diese Option selbst lange nicht auf dem Schirm. Wenn du dich zeitig bewirbst kommt noch in das aktuelle Auswahlverfahren rein. Der entscheidende Vorteil beim Bund ist die finanzielle Sicherheit von Anfang an. Dein Studium wäre dann auch nicht für die Katz, das wirst du höchstwahrscheinlich anrechnen lassen können. Dann bleibt dir ein weiteres Studium bei der Bundeswehr erspart.
Natürlich gibt’s beim Bund auch viele Nachteile, die aber von den Vorteilen mehr als aufgewogen werden.

Viel Erfolg!
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NiTh
Bruchpilot
Bruchpilot


Anmeldungsdatum: 03.01.2018
Beiträge: 11
Wohnort: Düsseldorf

BeitragVerfasst am: Do Jan 04, 2018 4:08 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Vielen dank für deine ausführliche Antwort.

Leider scheidet die Bundeswehr aus. Das maximale alter beträgt hier 29 Jahre. Mit knapp 31 bin ich 2 Jahre zu spät.

p.s. habe dir eine private Nachricht geschrieben
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B1900D
Captain
Captain


Anmeldungsdatum: 15.02.2011
Beiträge: 2010

BeitragVerfasst am: Do Jan 04, 2018 4:36 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Guter Beitrag oben! Damit ist eigentlich alles gesagt.

Trozdem kann die BW auch u.U. echt ganz großer Mist sein, sollte nicht alles ganz genau nach Plan laufen - mein Bruder war bei der Eurofighterstaffel in Rostok bei der Einsatzplanung und war froh als seine Pflichtzeit nach 8 Jahren endlich vorbei war - die Pilotenkollegen waren nicht weniger gefrustet - auf den Transportern ist es aber wohl um einiges besser. Die erzählen einem auch viel, wenn sie einen “keilen“ müssen. Viel Erfolg und Glück.

Ich bin in der Business Aviation zu Hause und habe damit auf meine Weise Erfolg. Allerdings gibt es auch hier immer wieder ein auf und ab - ich hatte auch schonmal bessere Zeiten als momentan.

Grüße aus einer versifften indischen “Drecksstadt“ wo ich seit 2 Wochen für einen Kunden mit meiner Crew auf Bereitschaft im Hotel hocke... bin froh, wenn wir nächste Woche die Enginecovers wieder entfernen und nach London abhauen...kann kein Curry mehr sehen - ich brauche Rindfleisch.... Ok, davor waren wir 3 Tage auf Bali, der Strand war mit Plastikabfall vermüllt, dann eine Nacht Singapur...

War vor 3 Jahren glaube ich das letzte mal über die Festtage daheim. Der 4-stellige Tagessatz vor Steuern ist gerade der einzige Trost...
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