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Die Wahrheit über den Wolken
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Anyway
Bruchpilot
Bruchpilot


Anmeldungsdatum: 21.07.2015
Beiträge: 11

BeitragVerfasst am: Sa Nov 07, 2015 4:25 pm    Titel: Die Wahrheit über den Wolken Antworten mit Zitat

Hallo liebe Community

Ich selbst bin 19 Jahre alt, stehe kurz vorm Abitur, und war seit ich denken kann vom Beruf Pilot geblendet. Die Welt bereisen, Ein spannender Beruf, nicht wenig geld - dafür stand der Beruf einmal für mich.

Mein Leben hatte einfach immer diese Bestimmung über den Wolken...
Bis ich mich eines Tages über einem Gehaltsvergleich der Airlines fragte, warum es überhaupt Piloten gibt die es nötig haben für einen Hungerlohn bei Ryanair und co zu Arbeiten.

Nach kurzer Recherche bekam mein Bild dieser Branche einen gewaltigen Kratzer


Der Kapitalismus zerstört in Form von Wettbewerb alles was einmal war.
Jeder möchte Kunden gewinnen, also wird der Preis gedrückt. Bald kann kann keiner mehr mithalten, also wird gespart und gespart.
Neue Vorschriften reizen die Belastbarkeit der Piloten aufs äußerste aus, die Gehälter verschlechtern sich infolge der Spirale nach unten. Piloten werden gezwungen sich selbst zu Minimalpreisen anzubieten, entlassen oder garnichterst eingestellt

Kurz: Fliegen wird verramscht.. und dann eines tages ...

Ich möchte nicht behaupten dass der Germanwings Vorfall auch darin seine Ursache fand.... oder doch möchte ich Smile

Hätte der Herr mehr zeit gehabt sich zu erholen, wäre er besser bezahlt worden, und müsste er nicht jeden Tag um seinen Job fürchten, hätte er zumindest gleich drei gute Gründe gehabt, in der Zukunft mehr zu sehen als einen Berg

(übrigens, ist schon interessant sich vorzustellen dass sich die Airlines nur absprechen müssten um das alles Rückgängig zu machen. Sie müssten nur alle ihre Durchschnittspreise auf ein ähnlich hohes Level heben, dann muss sich keiner mehr anpassen. Doch das bedeutet dann dass die Airlines alle ähnlich verdienen, und das ist ja die höhe. Es ist nun wirklich nicht zu verantworten dass die Ryanair chefs fünf millionen weniger im Jahr bekommen Wink Traurig oder? Es geht nur ums geld)

Doch trotz allem negativen, möchte ich es nicht aufgeben Pilot zu werden.
Wieso?

"Du hast weniger Freizeit als deine Nachbarn denken, du verdienst weniger als deine Verwandten annehmen, und du hast nicht so viele Freundinnen wie deine Frau behauptet. Trotzdem wundere ich mich jeden Tag, dass man mir für diese schöne Arbeit auch noch Geld gibt"

- Pilot aus North Carolina

Ich finde nichts langweiliger als die Monotonie des Alltags, wenn ich nicht Pilot werde mache ich warscheinlich eine Weltreise Smile
Es ist mir völlig egal wohin ich ziehen muss, haupsache meine wohnung hat ne Badewanne, ne Flasche Rotwein und ne Mundharmonika für einsame Tage. Letztendlich ist es genau das was mich am Pilotenberuf reizt

Über den Wolken zu Arbeiten... Sich nach nach nem langen Flug abends auf nem Balkon über den Lichtern einer fremden Stadt einen Zigarillo anzumachen und sich den Wind um die Nase wehen zu lassen, wohl wissend dass man morgen wieder etwas neues sehen wird.

Mit 40 trifft man seinen High school Kollegen wieder und vergleicht.

Er hat in einer Stadt Studiert, einen Bürojob gekriegt, normales geregeltes einkommen, eine Frau und zwei Kinder.

Du hast die ganze welt gesehen, bist durch schmerz und Freude gegangen, warst Buchtsäblich ganz oben und ganz unten. Mit Geschichten aus allen Ländern, mit Freunden überall um die Welt, und vielleicht auch einem haufen kurzer affären, wer weiß Wink

Es liegt im ermessen von jedem was er bevorzugt. Sicherheit und ein stink normales Leben, oder Risiko und vielfalt. Es muss meines wissens nur klar sein dass Pilot bedeutet ein Risiko einzugehen.

Ich bin bereit dazu, und deswegen möchte ich Pilot werden.



Manche Piloten die Pech haben oder sich blöd anstellen landen bei der Putzkolonne.
Andere gehen eben nach Dubai und fliegen bei 200.000 im Jahr den A380

(Abgesehen davon verstehe ich viele mit ihren traurigen gescheiterten existenzminimum Karrieren nicht ganz, weil es meines wissens wirklich viele gute Berufsfelder gibt, in denen Bewerber mit Flugtechnischen Referenzen zumindest bevorzugt werden)
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Flugmensch
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Anmeldungsdatum: 20.04.2011
Beiträge: 616

BeitragVerfasst am: Sa Nov 07, 2015 4:31 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Marktwirtschaft eben.
Nicht der Wettbewerb macht alles kaputt, sondern die Leute, die unter solchen Bedingungen überhaupt Pilot werden wollen / als Pilot arbeiten.

Würden die Leute das nicht mitmachen, wären Piloten knapper und müssten wieder besser bezahlt werden, damit mehr kommen.

Solange sich das Wirtschaftsgut "Pilot" selbst mit immer riesigeren Mengen auf den Markt wirft, braucht sich niemand zu wundern, dass durch die eigene billigere Konkurrenz die Spirale immer weiter abwärts geht.

DEINE Einstellung bzw. die selbe Einstellung deiner Vorgänger, ist also erst der Grund, warum alles so schlecht wurde!

Du machst eine schlaue Erkenntnis, begehst aber den selben Fehler aller, der dazu geführt hat.

Wenn die Airlines sich absprechen und die Preise erhöhen, dann wär das ein Kartell, also gesetzlich verboten, also geht das nicht.

Das mit dem Germanwings Killerpilot hatte eher was mit dem Medical zu tun.
Das hat nichts mit Kapitalismus zu tun, sondern gesetzlichen Vorschriften.
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Anyway
Bruchpilot
Bruchpilot


Anmeldungsdatum: 21.07.2015
Beiträge: 11

BeitragVerfasst am: Sa Nov 07, 2015 5:00 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Ich denke nicht dass das Problem hier bei den Bewerbern liegt.
Die Flugbranche ist nach wie vor am expandieren, es gibt prinzipiell genug Arbeitsplätze, aber ausserhalb des komfortbereichs. Man muss schonmal in ein anderes Land ziehen. Wer das nicht auf sich nehmen will sollte garnichterst Pilot werden, stimmt.

Zudem liegt die Schuld bei Lufthansa, die mehr Piloten ausgebildet haben als sie benötigen.

Was das Absprechen angeht, ich rede nicht von Kartellen, sondern einer anderen Form von Wettbewerb. Nur mal angenommen alle Fluggesellschaften hätten ähnliche Preise. Dann würden die Menschen mit den Airlines fliegen die das beste interior, oder die freundlicheren mitarbeiter, die bessere sicherheitsstatistik etc hätten, und nicht mit der günstigsten.

Dasselbe Problem gibt es in Punkto Entwicklungsdiktatur- drittweltländer verkaufen sich um jeden Preis damit investoren kommen, denn wenn sie es nicht so günstig wie möglich machen würden, gingen die investoren einfach in ein billigeres land.

Der Knackpunkt ist dass es immer irgendwen gibt der Billiger ist. Wenn es das nicht gäbe, gäbe es bessere Gehälter, bessere sicherheit, festere jobs etc.

LH müsste nicht anfangen die Flotte abzubauen und stellen zu streichen ...

und damit gäbe es auch wieder mehr Arbeitsplätze

Wie gesagt, ich behaupte nicht das die Wirschaftslage der einzige Grund am Germanwings vorfall war, aber ich behaupte dass all dieser Druck einen Menschen kaputt machen kann.
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Flugmensch
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Anmeldungsdatum: 20.04.2011
Beiträge: 616

BeitragVerfasst am: Sa Nov 07, 2015 5:50 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Und was wäre, wenn es bspw. möglich wäre, dass sich die europäischen Airlines absprechen und gleiche höhere Preise machen?
Alle würden mit günstigeren außereuropäischen fliegen.
Alle europäischen Airlines gehen erst recht pleite.

Oder meinst du, dass Emirates usw. auch in diesem Preisabsprachekartell mit macht?
Warum sollten sie sich ins eigene Fleisch schneiden, wenn sie ihr Umsatzmaximum bei einem viel niedrigeren Preis hätten?
Außerdem kann es nicht funktionieren, dass Airlines, die komplett unterschiedliche Voraussetzungen, Kostenstruktur usw. alle gleiche Preise anbieten.

Eine realistischere Lösung wäre, wenn der Staat eingreift und zb. Schutzzölle/Zusatzsteuern auf ausländische Airlines legt, um deren Preise auf unserem Markt unattraktiver zu machen.

Die Frage ist, ob sowas überhaupt Sinn macht, nur damit eine Minderheit mehr Geld verdient und dafür alle anderen Fluggäste unter höheren Preisen leiden müssten.
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Anyway
Bruchpilot
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Anmeldungsdatum: 21.07.2015
Beiträge: 11

BeitragVerfasst am: Sa Nov 07, 2015 6:13 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
"Warum sollten sie sich ins eigene Fleisch schneiden, wenn sie ihr Umsatzmaximum bei einem viel niedrigeren Preis hätten"


Das ist genau das Problem, die Orientierung am Gewinn.
Es geht immer nur darum so viel Gewinn wie möglich zu machen, und genau das macht alles Kaputt. Was glauben sie warum die Neoliberale Politik so stark vorangetrieben wird? Firmen müssen mit steurerleichterungen gelockt werden, weil sie sonst ganz einfach aus dem Land verschwinden und die Arbeitsplätze verloren gehen

Ich denke auch nicht dass festgelegte Preisbereiche für alle Flüge umsetzbar sind, ich rede von einer Art untergrenze für Europa.

Wenn es keine Fluglinie gibt die zb Flüge von Düsseldorf nach London für unter 50€ Anbieten darf, dann können sich die Flugäste nichtmehr den billigsten Flug raussuchen, sondern nur unter ähnlichen den Komfortabelsten. (Das jetzt Angewandt mit unterschieldichen preisen auf Entfernungen und Standtorte)

Wenn das so weiter geht werden die Firmen immer weiter versuchen das absolute maximum an jeder Grenze auszureizen (Arbeitszeiten/Wartung/etc) , und das gefährdet Sicherheit, Karrieren, und Leben.

Ich weiß nicht wie es ihnen geht, aber ich fliege lieber für 100€ nach London statt für 7 mit ryanair, wenn ich weiß dass die Piloten vorne nicht einschlafen, die Wartung nicht ewig zurückliegt und es wenigstens noch ein bisschen Komfort gibt.

Ryanair wollte mal STEHPLÄTZE einführen, das ganze Flugzeug ist voller Plastik und Werbung... und das alles nur weil es immer billiger werden muss.

Ich finde das ist sehr wohl ein Grund änderung zu verlangen

Warum beschweren sie sich nicht bei den Menschen, die nicht in sichere Flugzeuge investieren sondern in Ramsch? Achja richtig, weil sich sonst weniger Menschen einen Flug leisten könnten. Genau so muss das auch sein, Fliegen muss etwas besonderes sein, aber langsam verkommt es zum Kaugummi den man mal eben in den EInkaufswagen wirft.

Das mit den Schutzzöllen ist auch eine gute Idee, es ist völlig in ordung wenn die Flüge Teurer werden, wie gesagt, ein Flugzeug ist kein Bus
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Flugmensch
Captain
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Anmeldungsdatum: 20.04.2011
Beiträge: 616

BeitragVerfasst am: Sa Nov 07, 2015 6:45 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Was ist das für eine Logik?

Einserseits sollen sich Unternehmen nicht am Gewinn orientieren? Andererseits sollen sie aber auch nicht jeden fliegen lassen, weil Fliegen etwas besonderes sein soll?

Wenn Gewinn keine Motivation fürs Unternehmen ist und fürn Staat nicht das Ziel dass möglichst viele Leute die Infrastruktur günstig nutzen können, was ist dann das Ziel?

Wenigen Piloten möglichst schöne Jobs mit viel Geld zu bieten?

Und nur weil die Preise erhöht werden, heißt es nicht automatisch, dass eine Airline auch mehr Geld verdient, was sie an den Piloten weitergeben kann.
Wenn dann prozentual weniger Leute Tickets kaufen, als prozentual der Preis erhöht wurde, hat das einen negativen Effekt auf den Umsatz, dann bleibt noch weniger für die Piloten übrig und evtl. müssen Maschinen verkauft und Piloten entlassen werden.
Denn: Gibt es einen Mindestpreis bleiben auch Airlines im Markt, die sonst nicht bestehen könnten und erhöhen das Angebot wiederum, was zu einem Überangebot mit künstliche hochgehaltenen Preisen führt und einer schlechten Auslastung.

Ich glaub du bist dir nicht richtig der wirtschaftlichen Konsequenzen bewusst und dass alles nicht so einfach gestrikt ist, wie du vielleicht glaubst.

Btw: Fliegen ist heutzutage mit Ryan Air sicherer, als früher (70er/80er), wo Fliegen noch was besonderes war.
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N7U
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Anmeldungsdatum: 12.06.2015
Beiträge: 88

BeitragVerfasst am: So Nov 08, 2015 10:33 am    Titel: Antworten mit Zitat

Damit bist du leider in der Minderheit, denn den meisten Menschen ist es egal, ob ihr Mittagessen ein schönes Leben hatte, ihre T-Shirts von Kindern hergestellt wurden, oder ihre Flugzeuge von ausgeschlafenen Piloten geflogen werden. Die Kunden hatten die letzten fünfzehn Jahre Zeit, sich zwischen Easyjet & Co. und Lufthansa zu entscheiden. Ergebnis: Easyjet & Co. wachsen und Lufthansa schrumpft, also scheinen nicht allzu viele Menschen deine Ansichten zu teilen.

Anyway hat folgendes geschrieben:
Ich weiß nicht wie es ihnen geht, aber ich fliege lieber für 100€ nach London statt für 7 mit ryanair, wenn ich weiß dass die Piloten vorne nicht einschlafen, die Wartung nicht ewig zurückliegt und es wenigstens noch ein bisschen Komfort gibt.
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cengelk
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Anmeldungsdatum: 12.06.2014
Beiträge: 52

BeitragVerfasst am: So Nov 08, 2015 2:59 pm    Titel: Re: Die Wahrheit über den Wolken Antworten mit Zitat

Anyway, vielleicht liegt es an deinem Alter, aber du lässt echte Analytik der Entwicklung stark vermissen.

Das Zentrum deiner Analyse sind die Arbeitsbedingungen deines Traumberufs Pilot in dessen Traum du deine Jugendzeit verbracht hast. Die Luftverkehrswirtschaft hat sich stark verändert, für manche (z.B. Piloten) zum negativen, für Ziihfach(!) viel viel mehr Leute (Kunden) zum Guten.

Heute kann jeder sich Flugreisen leisten - für den Nutzen der Konsumenten ist das toll. Das ist in der Textilindustrie oder Lebensmittelindustrie schon vor Jahrzehnten passiert und du profitierst täglich davon.

Es passt dir persönlich nur einfach nicht in den Kram, weil du dir schon ausgemalt hast wie die alte Generation Raps & Co mit 70 Blockstunden im Monat und 2-3 tägigen Layovers und einem schicken Sportwagen und EFH im Taunus dein Leben verbringen würdest - natürlich ohne Arbeitsplatzgefahr.

Warum gibt es das in Zukunft nicht mehr?
Ganz einfach: Klar Kostendruck, aber auch ein anderer Faktor. Man hat festgestellt, dass selbt Ryanairpiloten, die nach selbstbezahlter Ausbildung ein Bruchteil von LH-Piloten verdienen, einen ähnlich guten Job machen (zumindest keinen messbar schlechteren). Die Zeit hat gezeigt, du musst Piloten keine 200.000 Euro bezahlen, um die richtigen Kandidaten zu bekommen. Und der Witz ist: du selbst bist das beste Beispiel für diese Entwicklung!
Du willst diesen Job einfach, egal was komme. Du findest ihn einfach von der Tätigkeit so hammer, dass es dir egal wird. Warum sollte also jemand dir mehr bezahlen? Was glaubst du warum internationale Ingenieur in Afrika in der Pampa teilweise 10.000 Netto Bar auf die Kralle kriegen? Weil die Arbeit und die Verhältnisse dort niemanden anziehen. Genau das Gegenteil was im Pilotenmarkt passiert.

Anyway hat folgendes geschrieben:

Hätte der Herr mehr zeit gehabt sich zu erholen, wäre er besser bezahlt worden, und müsste er nicht jeden Tag um seinen Job fürchten, hätte er zumindest gleich drei gute Gründe gehabt, in der Zukunft mehr zu sehen als einen Berg


Hätte er mehr Geld gehabt??
Junge, das war ein KTV-Pilot. Kein Norwegian, kein Ryan, keine US King-Air Contractor, sondern ein KTV-Pilot. In den jungen Berufsjahren kriegst du als Pilot (und in fast keinen anderen Beurfen) nirgends ein vergleichbares Gehalt UND eine vergleichbare Jobsicherheit (im Ausland hast du in der Regel nur ersteres). Da ich dich nicht einfach für dumm deklarieren möchte, glaube ich, dass dir einfach viele wichtige Einblicke in das Geschäft fehlen, und auch ein bisschen in vergleichbare Arbeitswelten- und Bedingungen.

Du bist leider ein Unterstützer der Bewegung "Pilot werden - egal was komme".

Und übrigens: Eine Vielzahl von Piloten, die ich kenne, sagen nicht "ich hab mit 40 die Welt gesehen", sondern sagen nach 5(!) Jahren im Job: Das wichtige an meinem Job sind die Frei-Tage im Dienstplan und der monatliche Lohn.

Überleg dir gut was du vor hast und informiere dich!
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Schienenschreck
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Anmeldungsdatum: 01.09.2008
Beiträge: 3200
Wohnort: ZZ9 Plural Z Alpha

BeitragVerfasst am: So Nov 08, 2015 8:55 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Anyway hat folgendes geschrieben:
Genau so muss das auch sein, Fliegen muss etwas besonderes sein, aber langsam verkommt es zum Kaugummi den man mal eben in den EInkaufswagen wirft.
[...]
Das mit den Schutzzöllen ist auch eine gute Idee, es ist völlig in ordung wenn die Flüge Teurer werden, wie gesagt, ein Flugzeug ist kein Bus

Was für eine Ansammlung von unglaublichem Quatsch.
_________________
...mit Lizenz zum Fliegen
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Anyway
Bruchpilot
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Anmeldungsdatum: 21.07.2015
Beiträge: 11

BeitragVerfasst am: So Nov 08, 2015 11:37 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Zitat:
Was für eine Ansammlung von unglaublichem Quatsch.


Nach dieser präzisen und gewitzten Argumentation kann ich natürlich einpacken..


Zitat:
Hätte er mehr Geld gehabt??


- Gut, in diesem Fall habe ich mich wohl geirrt, ich verfügte nicht über die Information dass dieser Pilot unter guten Bedingungen arbeitete.
Dennoch halte ich es für angebracht den misslichen Bedingungen unter Piloten ein Sicherheitsrisiko zu unterstellen.

Am Beispiel des West Caribbean Airways Flight 708 kam die Flugunfalluntersuchung unter anderem zu folgendem Schluss:

Zitat:
In addition, the poor financial position of West Caribbean Airways came under criticism; the airplane and crew involved in the accident flight were almost refused takeoff at their previous stop due to non-payment of catering and food service fees, the crew had not received regular paychecks in several months, and the captain had reportedly been forced to moonlight as a bartender to provide income for his family.


https://en.wikipedia.org/wiki/West_Caribbean_Airways_Flight_708#Investigation

Es gibt noch mehr solcher Beispiele. Sie zeigen mitunter, wie sich wirtschlaftliche Probleme und extreme Sparmaßnamen in der Sicherheit wiederfinden können.

Zitat:
Wenn Gewinn keine Motivation fürs Unternehmen ist und fürn Staat nicht das Ziel dass möglichst viele Leute die Infrastruktur günstig nutzen können, was ist dann das Ziel?


Ich gebe zu, es wäre ein Problem dass dann weniger Leute Tickets kaufen könnten

Aber sie werden mir sicherlich auch zustimmen wenn ich sage, dass die Orientierung am Minimum auf Dauer Probleme schafft.

Und Sie wollen mir doch nicht erzählen dass sie gerne so behandelt werden, damit die Airline ein paar Euro mehr einstreicht?

Sicherlich ist es auch wünschenswert, dass möglichst viele Menschen die Infrastruktur verwenden können, jedoch -> nicht um jeden Preis. Und genau diese Politik verfolgt der hier praktizierte Neoliberalismus.
Unternehmen wird möglichst viel Freiraum gelassen um Wirtschaftsfähiger zu werden. Andere Faktoren werden übergangen

Schaut euch nurmal den GDL Streik an. Frau Nahles verbietet einfach mal eben die Tarifpluralität und damit alle Streiks, nur weil der wirtschaftliche Schaden zu groß wird

Das Gericht verbietet zurzeit Streiks der VC, aus ähnlichen Gründen, wie sie sicher wissen.

Aus diesem Grund finde ich, der Wettbewerb sollte zumindest besser reguliert werden.

Falls das nicht der Fall ist, werden wir in 5 Jahren Flüge haben die einen Euro Kosten, aber mit Stehplätzen, ohne Toiletten an bord, Piloten Minimalgehalt, sicherheitsgrenz-Ausreizung und Einsparungen wo es nur geht, oder was weis ich.
Es gibt immer Wege um noch mehr zu sparen.

Es wird blos abgewartet bis etwas passiert, aber solange alles läuft beweist das ja dass das System funktioniert...

Es gibt etliche Abstürze die diese These stützen.
sogar im aktuellen Fall wird gemutmaßt

Zitat:
Der abgestürzte Airbus vom Typ A321-200 gehört mit gut 18 Jahren Einsatzzeit zu den ältesten Modellen dieser Variante. Das Unglücksmodell hatte fast 21.000 Flüge absolviert und war schon 56.000 Stunden in der Luft. Mit 224 Menschen an Bord und betankt für eine lange Route, operierte das Flugzeug an der oberen Belastungsgrenze.


Und ja ich möchte gerne Pilot werden, weil ich nicht der Ansicht bin das die Ursache der wirschaftlichen Probleme der Airlines bei den Piloten liegen..

Gäbe es nicht diesen ständigen zwang immer billiger zu werden, gäbe es mehr Arbeitsplätze, und bessere bedingungen, weil dann keine Stellen mehr gestrichen werden müssten.

Auf der anderen Seite gäbe es auch weniger Arbeitsplätze, wenn es weniger, aber dafür bessere Airlines gäbe

Eine entgültige Lösung ist wohl noch nicht gefunden

Noch ein Wort zu ihrem kritischen Ton gegenüber angehenden Piloten:
Es ist mir bewusst, dass ich ihre beruflichen Chancen durch meinen Wunsch nicht grade verbessere, doch verfügen sie genauso wenig über ein exklusivrecht auf das cockpit, nur weil sie zuerst darin saßen.

Lassen sie uns doch gemeinsam an einer besseren Zukunft für Piloten arbeiten, für sie und mich gleichermaßen.
Aber das geschieht sicher nicht durch den Verzicht aller angehenden Piloten. Streiken hilft da schon eher.
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Anyway
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Anmeldungsdatum: 21.07.2015
Beiträge: 11

BeitragVerfasst am: Mo Nov 09, 2015 12:13 am    Titel: Antworten mit Zitat

Ich möchte nochmal etwas anfügen

Angenommen es gäbe eine bessere Regulation
-> Dann würden sich weniger Menschen ein ticket leisten können
-> was dazu führen würde dass es weniger Airlines, und damit weniger Arbeitsplätze gäbe. Dieses Szenario in Fakten:

Pro

+ Die verbliebenen Arbeitsplätze hätten wesentlich bessere Konditionen
+ Die Allgemeine Sicherheit würde erhöht
+ Der Komfort beim Fliegen würde für Passagiere erhöht
+ Der ohehin überladene Air Traffic würde entlastet

Contra

- Jobverluste einiger Piloten
- Jobverluste von Bodencrews
- Erhöhung der Flugpreise = Erschwerung von Internationalen Beziehungen, Antiglobalisierung

In diesem Punkt käme nun die Frage auf ob Antiglobales denken Bzw Protektionismus in der Flugbranche eine Zukunft hat.
Ich meine Ja. Ich weiß nicht wie sie das sehen.
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Anmeldungsdatum: 15.02.2011
Beiträge: 1933

BeitragVerfasst am: Mo Nov 09, 2015 9:17 am    Titel: Antworten mit Zitat

Ich sehe die Problematik zusätzlich auch woanders:

Desto weniger Regulation, umso besser - und damit meine ich Wettbewerb auf allen Ebenen. So gäbe es mehr Angebot für den Kunden und mehr Platz für andere Unternehmer. Durch die gegenwärtige Regulation, haben wir nur ein paar große Unternehmen (die zum Teil nichtmal schwarze Zahlen schreiben), die sich im Angebot kaum noch unterscheiden - entweder sie sind Legacy Carrier, Low-Cost Carrier oder irgend ein Hybrid.

Es wird schon viel zu viel reguliert und es entstehen "overhead" Kosten, die besonders den kleineren Unterehmen arg zu schaffen machen - wieviele sind schon in den letzten 25 Jahren den Bach runtergegangen ? Es sind kaum noch welche übrig und besonders die General Aviation ist hier schon fast ganz tot, weil politisch alles nur auf die großen Airlines gemünzt wird - das heisst, dass ein Markt komplett durch die Regulierung zerdrückt wird - obwohl es bei entsprechenden Konditionen einen Bedarf geben würde.

Nachtflug Verbot, Lärmschutz, Abbau von Infrastrucktur und hunderttausend Auflagen, Bürokratie - das haben wir hier.

Genauso undivers ist der Beruf Pilot geworden - es gibt fast nur noch eine Schiene - man macht den MPL und hofft dann damit seinen Lebenstraum in Erfüllung zu bringen... für mich einfach nur naiv - denn genau wie cengelk sagt, ist nach spätestens 5 Jahren die Luft raus und die Begeisterung hält sich in Grenzen. Wenn dann der Kontostand am Ende des Monats auch noch zu wünschen übrig lässt, dann fragt man sich schon, ob es die Sache wert war - nur gibt es kaum noch Wege, wie man sich aus der Konsequenz dann persönlich weiterentwickeln könnte.

Gäbe es mehr Diversität, gäbe es mehr Produkte und mehr Möglichkeiten und auch ein Pilot hätte mehr Möglichkeiten, sich zu spezialisieren und durch Fleiß auf die attraktiveren Konditionen hinzuarbeiten - dadurch entsteht Motivation. Diese Diversität ist jedoch sozialpolitisch nicht gewollt - möglichst wird alles gleichgestellt und in einen Topf geschmissen.

Was wir derzeit bei der LH erleben, ist ein Jammern auf ganz hohem Niveau - verständlich wenn man nichts anderes kennt, als künstlich geschaffene "Elite" die von Anfang an immer den goldenen Löffel in die Mund gesteckt bekommen hat.

Den Markt noch weiter zu begrenzen, damit einige wenige es besser haben, kann also kaum die Lösung sein, denn es gibt einen Markt, der zu seinen jeweiligen Bedingungen bedient werden will und das schafft auch diverse Arbeitsplätze.

Als Pilot wünsche ich mir optimalerweise einen möglichst großen offenen Markt, auf dem ich mich je nach persönlichen Wünschen, Stand und Marktwert, jederzeit meiner Fähigkeiten entsprechend unsanktioniert bewerben kann - also umso mehr Möglichkeiten, um so besser und um so freier. Ich lege wahrscheinlich großen Wert darauf, da ich Firmenwechsel bisher langfristig immer als positive Erfahrung und Weiterentwicklung erlebt habe. Leider ist der Markt hier inzwischen aus den genannten Gründen besonders dünn und begrenzt - dass macht die Sache an sich schon unattraktiv.
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